
Beteiligung, Moderation und Kommunikation für das Gemeindeentwicklungsprogramm Raum und Landschaft
Wie soll sich das Sarntal in den kommenden Jahren entwickeln? Welche Rolle spielen Wohnen, Mobilität, Landschaft, Tourismus, Nahversorgung und Lebensqualität? Und wie können Bürgerinnen und Bürger frühzeitig, verständlich und wirksam in zentrale Zukunftsfragen ihrer Gemeinde eingebunden werden?
Im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprogramms Raum und Landschaft der Gemeinde Sarntal begleitet Plattform Land den Beteiligungs- und Kommunikationsprozess. Das Projekt ist ein Referenzbeispiel für Bürgerbeteiligung in Südtirol, partizipative Gemeindeentwicklung, Moderation kommunaler Beteiligungsprozesse und strategische Prozesskommunikation.
Der Auftrag verbindet Moderation, Kommunikation und Dokumentation zu einem mehrstufigen Beteiligungsprozess. Dazu gehören die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung öffentlicher Veranstaltungen und Arbeitsgruppen, die fotografische Dokumentation und Protokollierung, die redaktionelle und grafische Aufbereitung von Inhalten sowie die laufende Begleitung der Öffentlichkeitsarbeit. Ergänzend werden Kommunikationsmaßnahmen wie Redaktionsplanung, Social-Media-Beiträge, zweisprachige Pressearbeit, Inserate zur Bewerbung der Veranstaltungen sowie eine deutsch-italienische Projektbroschüre vorbereitet.
Ziel des Beteiligungsprozesses
Ziel des Beteiligungsprozesses ist es, die fachliche Erarbeitung des Gemeindeentwicklungsprogramms mit den Erfahrungen, Bedürfnissen und Ideen der Bevölkerung zu verbinden. Das Gemeindeentwicklungsprogramm Raum und Landschaft bildet eine wichtige Grundlage dafür, wie sich die Gemeinde Sarntal künftig nachhaltig, naturverbunden und im Sinne der Menschen vor Ort weiterentwickeln kann.
Die Beteiligung der Bevölkerung ist dabei kein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler Bestandteil des Prozesses. Interviews, Fragebögen, Infoboxen, Workshops, Ortsbegehungen, eine Bustour durch das Gemeindegebiet sowie mehrere Bürgerversammlungen eröffnen unterschiedliche Möglichkeiten zum Mitdenken, Mitreden und Mitgestalten. So werden fachliche Analysen, lokale Alltagserfahrung und politische Entscheidungsprozesse Schritt für Schritt miteinander verknüpft.
Im Mittelpunkt stehen die vier Kernthemen Siedlungsentwicklung, Mobilität, Landschaft und Tourismus. Sie bilden den roten Faden für die weitere Ausarbeitung von Visionen, Zielsetzungen und Maßnahmen im Gemeindeentwicklungsprogramm.
>> Schreiben des Bürgermeisters zum Auftakt des Beteiligungsprozesses
Bisherige Beteiligung im Überblick
Die bisherigen Beteiligungsformate (Stand: Juni 2026) zeigen ein großes Interesse der Bevölkerung an der künftigen Entwicklung des Sarntals. An der Bürgerbefragung nahmen 706 Personen teil, davon 630 online und 76 in Papierform. Bezogen auf die 7.282 Einwohnerinnen und Einwohner entspricht dies einer Beteiligung von 9,7 Prozent. Die Befragung lief über zehn Wochen, vom 2. Februar bis 8. April 2026. Ergänzend dazu fanden Interviews, eine Infobox, eine Bustour durch das Gemeindegebiet sowie die Bürgerversammlung am 10. Juni 2026 statt, an der rund 80 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen.
„Sarntal soll sich weiterentwickeln, aber mit Maß und Gespür. Die Bevölkerung wünscht sich keine Entwicklung um jeden Preis, sondern Verbesserungen, die den Alltag spürbar erleichtern und die besondere Qualität des Tales erhalten. Wir sind stolz auf unser Tal, unsere Natur und unsere Eigenart.“
Ablauf der Bürgerbeteiligung im Sarntal
Der Beteiligungsprozess ist mehrstufig aufgebaut und begleitet die fachliche Arbeit am Gemeindeentwicklungsprogramm über einen längeren Zeitraum:

Auftakt und Information
Im Februar 2026 startet der Beteiligungsprozess mit einer ersten Bürgerversammlung. Dabei werden Ziele, Ablauf und Inhalte des Gemeindeentwicklungsprogramms vorgestellt.
Erhebung und Sammlung von Anliegen
Im Winter und Frühjahr 2026 werden über Interviews, einen Fragebogen und eine Infobox Einschätzungen, Ideen und Anliegen der Bevölkerung gesammelt.
Lokalaugenschein im Gemeindegebiet
Ende April bzw. Anfang Mai 2026 findet eine Bustour durch das Sarntal statt. Gemeinsam mit Arbeitsgruppe, Gemeindevertretung und Interessierten werden zentrale Orte und Entwicklungsthemen vor Ort betrachtet.
Präsentation erster Ergebnisse und aktive Beteiligung
Anfang Juni 2026 werden die Ergebnisse aus Befragung, Interviews und Infobox in einer zweiten Bürgerversammlung vorgestellt. Anschließend arbeitet die Bevölkerung an Thementischen zu den Kernthemen des Gemeindeentwicklungsprogramms.
Vertiefung in Workshops
Zwischen September 2026 und Jänner 2027 werden die Ergebnisse in mehreren Workshops weiterbearbeitet. Im Mittelpunkt stehen Visionen, Zielsetzungen und konkrete Maßnahmen für die zukünftige Entwicklung des Sarntals.
Rückkoppelung in den Fraktionen
Im Februar und März 2027 werden die Zwischenergebnisse in weiteren Bürgerversammlungen vorgestellt und diskutiert, unter anderem für Sarnthein, Reinswald und Pens.
Abstimmung und Aufbereitung
Im Winter und Frühjahr 2027 erfolgt die fachliche Abstimmung mit der Landesverwaltung. Parallel werden die Ergebnisse redaktionell und grafisch für eine Projektbroschüre aufbereitet.
Abschlusspräsentation
Im Mai bzw. Juni 2027 wird das beschlussfertige Gemeindeentwicklungsprogramm im Rahmen einer abschließenden Bürgerversammlung öffentlich präsentiert.
Beteiligung als Brücke zwischen Analyse und Zukunftsbild
Das Referenzprojekt Sarntal zeigt, wie Bürgerbeteiligung in der Gemeindeentwicklung mehr leisten kann als reine Information. Fachliche Analysen liefern Daten, Karten und Einschätzungen. Die Bürgerinnen und Bürger ergänzen diese Grundlagen um Alltagserfahrung, Ortskenntnis, Bedürfnisse und konkrete Prioritäten. So entsteht ein differenziertes Bild der Gemeindeentwicklung: Mobilität beeinflusst die Aufenthaltsqualität in den Ortskernen, Siedlungsentwicklung prägt Landschaft und Bodenverbrauch, Tourismus wirkt auf Verkehr, Nahversorgung und Identität.
Gerade an diesen Schnittstellen wird Beteiligung zu einem wichtigen Instrument für gute Planung. Sie hilft, komplexe Themen verständlich zu machen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu halten und Entscheidungen besser vorzubereiten. Der Prozess im Sarntal zeigt beispielhaft, wie Bürgerbeteiligung in Gemeinden, Moderation von Bürgerversammlungen, Arbeitsgruppen, partizipative Workshops, World-Café-Formate, Prozesskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zusammenspielen können.
So entsteht ein Beteiligungsprozess, der informiert, aktiviert, strukturiert und Ergebnisse nachvollziehbar macht. Für Gemeinden in Südtirol und darüber hinaus bietet das Projekt einen anschaulichen Zugang dazu, wie partizipative Gemeindeentwicklung gelingen kann: fachlich fundiert, verständlich kommuniziert und nahe an den Menschen.
Projektpartner*innen
Am Gemeindeentwicklungsprogramm Sarntal und am Beteiligungsprozess arbeiten mehrere Partner*innen, Büros und Fachleute mit. Beteiligt sind die Gemeinde Sarntal, Plattform Land, ingena, Sistema, Arch. Peter Paul Amplatz, LAND, Kohl & Partner, valmontis tourism consulting sowie Ing. Helmuth Moroder.
Gruppenfoto: Bustour durchs Gemeindegebiet von Sarntal am 23.05.2026
Bürger*innenversammlung und Beteiligungsprozess in Sarnthein vom 10. Juni 2026:




