Biodiversität, Klimaresilienz und Lebensqualität in kleinen Gemeinden stärken

Das grenzüberschreitende Interreg-Projekt NatUrA – Nature in Urban Areas bringt mehr Natur in unsere Ortschaften. Ziel ist es, konkrete Maßnahmen für Biodiversität, Klimaanpassung und lebenswerte öffentliche Räume in kleinen Gemeinden zu entwickeln und umzusetzen. Im Mittelpunkt stehen Südtirol, Kärnten und Tirol, wo Pilotgemeinden gemeinsam mit Fachleuten, Gemeindeverwaltungen und der lokalen Bevölkerung neue Wege für naturnahe Siedlungsräume erproben.

Auch im Alpenraum ist die Biodiversität zunehmend unter Druck. Gleichzeitig bieten Dörfer, Ortskerne, Plätze, Straßenräume, Grünflächen und öffentliche Gebäude großes Potenzial: Mehr Grün, mehr offene Böden, mehr Lebensräume für Tiere und Pflanzen und mehr Aufenthaltsqualität können dazu beitragen, Gemeinden widerstandsfähiger gegen Hitze, Trockenheit und Starkregen zu machen.

Während es für Städte bereits zahlreiche Studien und Best-Practice-Beispiele gibt, fehlen für ländliche Räume und kleinere Ortschaften oft noch geeignete Werkzeuge. NatUrA setzt genau hier an: Das Projekt entwickelt praxisnahe Ansätze, die auch für kleine Gemeinden umsetzbar, leistbar und langfristig nutzbar sind.

Warum NatUrA wichtig ist

Mehr Natur im Siedlungsraum ist kein Schmuck am Rand, sondern ein zentraler Baustein für zukunftsfähige Gemeinden. Naturnahe Flächen verbessern das Mikroklima, fördern die Versickerung von Regenwasser, schaffen Lebensräume für Insekten, Vögel und Kleintiere und erhöhen die Lebensqualität der Bevölkerung.

NatUrA verbindet ökologische, soziale und planerische Ziele. Die Maßnahmen sollen nicht nur die Biodiversität fördern, sondern auch die Klimaresilienz stärken und öffentliche Räume attraktiver machen. Damit wird Naturschutz im Dorf sichtbar, erlebbar und praktisch umsetzbar.

Zentrale Maßnahmen

  • Entwicklung und Umsetzung konkreter Biodiversitätsmaßnahmen in Pilotgemeinden.
  • Reduzierung von Bodenversiegelung durch weniger Asphalt, durchlässige Beläge sowie mehr Grün- und Wasserflächen.
  • Förderung naturnaher Grünraumplanung und ökologischer Pflege öffentlicher Flächen.
  • Biodiversitätsfreundliche Bauweise, von der Materialwahl bis zur Gebäudegestaltung.
  • Auswahl standortgerechter Pflanzenarten und insekten-, vogel- und kleintierschonende Bewirtschaftung.
  • Beteiligung der Bevölkerung an der Entwicklung lokaler Maßnahmen.
  • Fortbildung und Wissensaufbau für Gemeindepersonal, Fachleute und Akteur*innen der Grünraumplanung.
  • Bildungsangebote und erlebnisorientierte Formate für Kinder und Jugendliche.
  • Grenzüberschreitender Austausch zwischen Südtirol, Kärnten und Tirol.

Pilotgemeinden in Südtirol, Kärnten und Tirol

In Südtirol starten die Beteiligungsprozesse in den Gemeinden Kurtinig an der Weinstraße, Jenesien, Marling und Niederdorf. Weitere Pilotgemeinden befinden sich in Kärnten, darunter Villach, Bad Bleiberg, Nötsch und Arnoldstein. In Tirol wird eine weitere Gemeinde in das Projekt eingebunden.

Die Pilotgemeinden dienen als Lern- und Umsetzungsräume. Gemeinsam mit lokalen Akteur*innen werden Maßnahmen entwickelt, die zu den jeweiligen Orten passen. So entstehen Beispiele, die auch für andere Gemeinden im Alpenraum wertvolle Orientierung bieten können.

Mehr Biodiversität im Dorf: kleine Maßnahmen, große Wirkung

Biodiversität beginnt oft im Kleinen: bei entsiegelten Flächen, blühenden Grünstreifen, schattenspendenden Bäumen, naturnah gepflegten Wiesen, begrünten Mauern, wasserdurchlässigen Belägen oder Lebensräumen an Gebäuden. Solche Maßnahmen können das Ortsbild aufwerten und gleichzeitig wichtige ökologische Funktionen übernehmen.

Gemeinden können dabei eine Vorreiterrolle einnehmen. Wenn öffentliche Räume biodiversitätsfreundlich gestaltet werden, entstehen sichtbare Beispiele für Bevölkerung, Betriebe und private Eigentümer*innen. NatUrA versteht diesen Wandel daher nicht nur als technische Aufgabe, sondern auch als kulturellen Prozess: Mehr Natur in der Ortschaft soll selbstverständlich, alltagstauglich und gemeinschaftlich getragen werden.

Beteiligung und Wissenstransfer

Ein zentraler Bestandteil von NatUrA ist die Einbindung der lokalen Bevölkerung. Bürger*innen, Gemeindeverwaltungen, Fachleute und lokale Organisationen bringen ihr Wissen über den Ort ein und helfen dabei, passende Maßnahmen zu entwickeln. So entstehen Lösungen, die fachlich fundiert sind und zugleich von den Menschen vor Ort mitgetragen werden.

Begleitend sind Fortbildungen, Fachveranstaltungen und Bildungsformate geplant. Sie richten sich an Gemeindepersonal, Planer*innen, Grünraumpfleger*innen und andere Fachleute sowie Kinder und Jugendliche. Ziel ist es, Wissen langfristig in den Gemeinden zu verankern und praktische Kompetenzen für naturnahe Siedlungsräume aufzubauen.

Projektpartner und Förderung

Das Projekt NatUrA – Nature in Urban Areas wird vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz koordiniert. In Südtirol sind neben uns als Plattform Land, das Ökoinstitut Südtirol und das Bildungshaus Kloster Neustift beteiligt. Weitere Projektpartner sind die Stadt Villach und der Verein Naturpark Dobratsch in Kärnten sowie die Universität Innsbruck in Tirol.

 

Das Projekt wird von der Europäischen Union im Rahmen des grenzüberschreitenden Kooperationsprogramms Interreg VI-A Italien-Österreich 2021–2027 kofinanziert.