Beteiligung, Moderation und Kommunikation für Hafling, Mölten, Vöran und Jenesien

Wie können mehrere Gemeinden ihre räumliche Entwicklung gemeinsam denken? Welche Themen verbinden Hafling, Mölten, Vöran und Jenesien? Und wie lassen sich Bürgerinnen und Bürger frühzeitig in ein gemeinsames Gemeindeentwicklungsprogramm Raum und Landschaft einbinden?

Im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprogramms am Tschögglberg begleitete Plattform Land gemeinsam mit Kollektiv2020 und Apollis den Beteiligungsprozess für die vier Gemeinden Hafling, Mölten, Vöran und Jenesien. Das abgeschlossene Projekt ist ein Referenzbeispiel für Bürgerbeteiligung in Südtirol, gemeindeübergreifende Partizipation, Moderation kommunaler Entwicklungsprozesse und kooperative Gemeindeentwicklung im ländlichen Raum.

Eine Besonderheit des Auftrags lag darin, dass nicht nur eine einzelne Gemeinde begleitet wurde, sondern vier Gemeinden, die sich für das Gemeindeentwicklungsprogramm zusammengeschlossen haben. Dadurch entstand ein Beteiligungsprozess, der lokale Anliegen in den einzelnen Dörfern sichtbar machte und zugleich gemeinsame Entwicklungsthemen für den gesamten Tschögglberg herausarbeitete.

Ziel des Beteiligungsprozesses

Ziel des Beteiligungsprozesses war es, die fachliche Erarbeitung des Gemeindeentwicklungsprogramms mit dem Wissen, den Erfahrungen und den Zukunftsvorstellungen der Bevölkerung zu verbinden. Die Bürgerinnen und Bürger sollten nicht erst am Ende informiert werden, sondern bereits während der Analyse- und Konzeptionsphase die Möglichkeit erhalten, Anliegen, Ideen und Bewertungen einzubringen.

Im Mittelpunkt standen Fragen, die für alle vier Gemeinden relevant sind: Wie kann qualitätsvolle Siedlungsentwicklung gelingen? Wie lassen sich Wohnen, Nahversorgung, Mobilität, Landschaft, Freiräume und soziale Infrastruktur langfristig sichern? Welche Entwicklung soll in den einzelnen Gemeinden stattfinden und welche Themen können am Tschögglberg gemeinsam gedacht werden?

Die Beteiligung diente damit als Brücke zwischen fachlicher Planung, kommunaler Entscheidungsebene und lokaler Alltagserfahrung. Sie half, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Hafling, Mölten, Vöran und Jenesien sichtbar zu machen und die Grundlage für eine tragfähige Entwicklungsstrategie zu schaffen.

Beteiligung in vier Gemeinden: ein gemeinsamer Prozess

Das Referenzprojekt Tschögglberg zeigt, wie Bürgerbeteiligung über Gemeindegrenzen hinweg funktionieren kann. Jede Gemeinde bringt eigene räumliche, soziale und wirtschaftliche Voraussetzungen mit. Gleichzeitig teilen die vier Gemeinden viele Herausforderungen: Wohnraumbedarf, Mobilität, Landschaftsschutz, Innenentwicklung, Nahversorgung, soziale Angebote, Jugendperspektiven und die Frage, wie ländliche Lebensqualität langfristig erhalten werden kann.

Durch die gemeinsame Begleitung entstand ein Prozess mit zwei Blickrichtungen: Einerseits wurden die spezifischen Bedürfnisse der einzelnen Gemeinden erhoben. Andererseits wurden übergemeindliche Zusammenhänge sichtbar, etwa bei Mobilität, Landschaft, Infrastruktur, Freizeitangeboten und regionaler Zusammenarbeit. Genau darin lag der Mehrwert des Projekts: Die Beteiligung wurde nicht als Sammlung einzelner Meinungen verstanden, sondern als gemeinsames Lern- und Orientierungsformat für den gesamten Tschögglberg.

Durchgeführte Beteiligungsformate

Gemeinsamer Auftakt vor Ort

  • Busfahrt über den Tschögglberg (Juni 2023): Zu Beginn des Prozesses fand eine gemeinsame Busfahrt durch alle vier Gemeinden statt. Dabei wurden zentrale Orte, räumliche Situationen und Entwicklungsthemen direkt vor Ort betrachtet. Die Busfahrt schuf ein gemeinsames Verständnis für die Besonderheiten und Herausforderungen am Tschögglberg.

Breite Erhebung der Anliegen

  • Bevölkerungsbefragung (August bis September 2023): Über Fragebögen wurde ein erstes Stimmungsbild aus Hafling, Mölten, Vöran und Jenesien erhoben. Die Befragung ermöglichte es, Einschätzungen, Bedürfnisse und Ideen aus der Bevölkerung systematisch zu sammeln.

Arbeit mit Kerngruppen und Fachgruppen

  • Erste Treffen mit den Kerngruppen (September bis Oktober 2023): In Vöran, Mölten und Jenesien fanden erste Treffen mit den jeweiligen Kerngruppen statt. Dabei wurden die Ergebnisse der Fragebögen vorgestellt und gemeinsam reflektiert.
  • Vertiefung des Ist-Zustands: Im nächsten Schritt wurden Fachgruppenanalysen mit Bürger*innen und Institutionen durchgeführt. Ziel war es, die Ergebnisse aus der Befragung fachlich und lokal zu vertiefen und die Ausgangslage der Gemeinden besser einzuordnen.

Rückmeldung an die Bevölkerung

  • Bürgerschaftsversammlungen zur Ist-Analyse (Februar 2024): Die Ergebnisse der Ist-Analyse wurden in Bürgerschaftsversammlungen präsentiert und mit der Bevölkerung diskutiert. Dadurch wurde Transparenz geschaffen und die Möglichkeit zur Rückmeldung gegeben.

Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

  • Malaktion an den Schulen (Febraur bis Mai 2024): In Hafling, Mölten, Vöran und Jenesien fand eine Malaktion mit Kindern statt. Dabei wurden Lieblingsplätze sichtbar gemacht und kindgerechte Perspektiven auf die Zukunft der Gemeinden gesammelt.
  • Jugend-Workshops zum Gemeindeentwicklungsprogramm (Mai bis Juni 2024): Junge Menschen wurden gezielt eingebunden, um ihre Sichtweisen auf Wohnen, Mobilität, Freizeit, Treffpunkte und die Zukunft ihrer Gemeinden einzubringen.

Übergreifende Zusammenarbeit der vier Gemeinden

  • Übergemeindlicher Workshop (Mai 2024): Ein wichtiger Meilenstein war der gemeinsame Workshop mit allen vier Gemeinden des Tschögglbergs. Dabei wurden Themen vertieft, die nicht nur einzelne Dörfer betreffen, sondern den gesamten Tschögglberg als gemeinsamen Lebens- und Entwicklungsraum.

Weitere Vertiefung in den Gemeinden

  • Weitere Kerngruppentreffen (September bis November 2024): Im Herbst 2024 wurden die Arbeiten in den einzelnen Gemeinden weitergeführt: mit einem Treffen der Kerngruppe in Vöran im September, weiteren Treffen in Mölten und Jenesien im Oktober sowie einem Treffen in Hafling im November.

Abschließende öffentliche Rückkoppelung

  • Weitere Bürgerversammlungen (November bis Dezember 2024): Zum Abschluss weiterer Prozessschritte fanden zusätzliche Bürgerversammlungen statt: im November 2024 in Vöran und im Dezember 2024 in Mölten. Dort wurden Zwischenergebnisse vorgestellt, diskutiert und nochmals mit der Bevölkerung rückgekoppelt.

 

Ergebnisse des Beteiligungsprozesses im Überblick pro Gemeinde

Kinder, Jugendliche und lokale Akteur*innen einbeziehen

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Formaten, die unterschiedliche Altersgruppen und Perspektiven einbezogen. Neben klassischen Beteiligungsformaten wie Fragebogen, Bürgerschaftsversammlung und Workshop wurden auch kreative Zugänge gewählt. Die Malaktion an den Schulen in Hafling, Mölten, Vöran und Jenesien machte sichtbar, welche Orte Kinder besonders schätzen und welche Vorstellungen sie von der Zukunft ihrer Gemeinde haben.

Auch junge Menschen wurden gezielt über Workshops zum Gemeindeentwicklungsprogramm angesprochen. Damit erhielt die jüngere Generation Raum, ihre Sicht auf Wohnen, Mobilität, Freizeit, Treffpunkte und Zukunftsperspektiven einzubringen. Gerade in ländlichen Gemeinden ist diese Perspektive wichtig, weil sie Hinweise darauf gibt, was junge Menschen brauchen, um sich langfristig mit ihrem Lebensraum verbunden zu fühlen.

>> Leitfaden zur Malaktion an den Grund- und Mittelschulen am Tschögglberg

 

Kleine Auswahl an Bildern, welche im Rahmen des Malwettbewerbs am Tschögglberg entstanden sind. Insgesamt sind über 70 Bilder abgegeben und in den jeweiligen Gemeinden öffentlich ausgestellt worden:

Ergebnisse und Mehrwert des Prozesses

Die gesammelten Rückmeldungen aus Befragungen, Workshops, Kerngruppen, Fachgruppen und Bürgerschaftsversammlungen wurden von der Planungsgruppe ausgewertet und in die IST-Analyse eingebracht. Dadurch entstand eine fundierte Grundlage für die weitere Ausarbeitung des Gemeindeentwicklungsprogramms.

Der Beteiligungsprozess machte deutlich, dass Gemeindeentwicklung am Tschögglberg sowohl lokale als auch übergemeindliche Antworten braucht. Themen wie Siedlungsentwicklung, Mobilität, soziale Infrastruktur, Nahversorgung, Landschaft und Freizeitqualität betreffen jede Gemeinde auf eigene Weise, lassen sich aber vielfach besser im Zusammenhang betrachten. Der Prozess stärkte damit nicht nur die fachliche Grundlage der Planung, sondern auch den Dialog zwischen Bevölkerung, Gemeinden und Planungsteam.

Als abgeschlossenes Referenzprojekt zeigt die Begleitung von Hafling, Mölten, Vöran und Jenesien, wie partizipative Gemeindeentwicklung in Südtirol umgesetzt werden kann: strukturiert, mehrstufig, generationenübergreifend und gemeindeübergreifend.

>> Abschlussbericht zum Beteiligungsprozess am Tschögglberg

Beteiligung als Grundlage für nachhaltige Gemeindeentwicklung

Bürgerbeteiligung ist ein wichtiger Schlüssel für nachhaltige Gemeindeentwicklung. Sie schafft Transparenz, macht lokale Bedürfnisse sichtbar und erhöht die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen. Gleichzeitig stärkt sie die Identifikation der Bevölkerung mit dem eigenen Lebensraum.

Das Projekt am Tschögglberg zeigt beispielhaft, wie Moderation, Prozessbegleitung, Bürgerbefragung, Kerngruppenarbeit, Jugendbeteiligung, Bürgerschaftsversammlungen und gemeindeübergreifende Workshops ineinandergreifen können. So entsteht ein Beteiligungsprozess, der nicht nur Informationen sammelt, sondern Orientierung schafft, Dialog ermöglicht und Planung mit Leben füllt.

Für Gemeinden in Südtirol und darüber hinaus bietet das Projekt einen anschaulichen Zugang dazu, wie Bürgerbeteiligung im Gemeindeentwicklungsprogramm Raum und Landschaft gelingen kann: fachlich fundiert, lokal verankert, verständlich kommuniziert und offen für unterschiedliche Generationen und Perspektiven.

Projektpartner*innen

Am Gemeindeentwicklungsprogramm Tschögglberg und am Beteiligungsprozess wirkten die Gemeinden Hafling, Mölten, Vöran und Jenesien sowie die Planungsgruppe mit Plattform Land, Kollektiv2020 und Apollis mit.

Übergemeindliche Bustour am Tschögglberg (Juni 2023):

Arbeiten in Kerngruppen mit bis zu 30 Personen:

Bürgerbeiteiligung und partizipative Austauschformate mit bis zu 130 Personen: