Sanierungspraxiszentren für Kreislaufwirtschaft, regionale Materialien und klimafitte Gebäude

Das Interreg-Projekt RenewLab – Sanierungspraxiszentrum bringt nachhaltiges Sanieren dorthin, wo es gebraucht wird: in bestehende Gebäude, zu Handwerksbetrieben, Gemeinden, Bildungseinrichtungen und Eigentümerinnen und Eigentümern. Ziel des Projekts ist es, ökologische Sanierungslösungen im Alpenraum praxisnah zu testen, sichtbar zu machen und dauerhaft in der Bau- und Sanierungspraxis zu verankern.

Im Mittelpunkt stehen Sanierungspraxiszentren, sogenannte Living Labs, in denen regionale, biobasierte und kreislauffähige Baustoffe unter realen Bedingungen angewendet und weiterentwickelt werden. Damit verbindet RenewLab Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, regionale Wertschöpfung und Fachwissen im Bauwesen.

Das Projekt läuft von Januar 2026 bis März 2028 und wird im Rahmen des Programms Interreg Italien–Österreich von der Europäischen Union gefördert. Plattform Land ist gemeinsam mit Partnern aus Südtirol, Tirol, Salzburg und Venetien Teil des grenzüberschreitenden Projektkonsortiums.

Warum nachhaltige Sanierung im Alpenraum wichtig ist

Ein großer Teil der Gebäude im Alpenraum besteht bereits. Deshalb liegt einer der wichtigsten Hebel für Klimaschutz, Ressourcenschonung und lebendige Ortskerne nicht nur im Neubau, sondern vor allem in der Sanierung des Gebäudebestands. Nachhaltige Sanierung kann dazu beitragen, Energie zu sparen, regionale Materialien zu nutzen, Leerstand zu aktivieren, Bauabfälle zu vermeiden und bestehende Bausubstanz langfristig zu erhalten.

Gerade in ländlichen und alpinen Räumen ist der sorgsame Umgang mit Gebäuden, Rohstoffen und Flächen besonders wichtig. Sanierung schützt Ressourcen, reduziert den Bedarf an neuen Bauflächen und stärkt gleichzeitig Handwerk, regionale Kreisläufe und lokale Wertschöpfung. RenewLab zeigt, wie diese Ziele praktisch umgesetzt werden können.

Was RenewLab macht

RenewLab entwickelt und erprobt neue Ansätze für nachhaltige Sanierung im Alpenraum. In Schlanders, Obertilliach und Calalzo di Cadore entstehen drei Sanierungspraxiszentren. Diese Living Labs dienen als reale Lern-, Versuchs- und Demonstrationsräume in bestehenden beziehungsweise leerstehenden Gebäuden.

Dort werden nachhaltige Bauweisen nicht nur theoretisch beschrieben, sondern praktisch angewandt. Getestet werden unter anderem Lösungen für Dämmung, Fenster, Putze und Böden. Zum Einsatz kommen vor allem regionale und biobasierte Materialien wie Holz, Hanf, Lehm, Kalk und Stroh.

Die Anwendungen werden dokumentiert, begleitet und ausgewertet. Dadurch entsteht praxisnahes Wissen für Betriebe, Gemeinden, Fachleute, Schulen sowie Eigentümerinnen und Eigentümer. RenewLab macht sichtbar, welche Materialien und Methoden im Bestand funktionieren, welche Rahmenbedingungen wichtig sind und wie nachhaltige Sanierung im Alltag umgesetzt werden kann.

Projektziele

RenewLab verfolgt das Ziel, nachhaltiges Sanieren im Alpenraum konkret, verständlich und anwendbar zu machen. Das Projekt stärkt die Verbindung zwischen Forschung, Handwerk, Gemeinden, Bildung und regionaler Wirtschaft.

Zentrale Ziele sind:

  • Aufbau von drei Sanierungspraxiszentren in Schlanders, Obertilliach und Calalzo di Cadore
  • Erprobung regionaler, natürlicher und kreislauffähiger Baustoffe im Gebäudebestand
  • Förderung der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen
  • Stärkung regionaler Wertschöpfung und kurzer Materialkreisläufe
  • Wissenstransfer für Handwerk, kleine und mittlere Unternehmen, Gemeinden und Bildungseinrichtungen
  • Sensibilisierung von Eigentümerinnen und Eigentümern für nachhaltige Sanierung
  • Weiterentwicklung der bestehenden SUSMAT-Materialdatenbank
  • Test und Erprobung des Wohnprototyps CUBO als Beispiel für ressourcenschonendes Wohnen
  • Beitrag zur Dekarbonisierung des Gebäudebestands im Alpenraum

Regionale und biobasierte Baustoffe

Ein Schwerpunkt von RenewLab liegt auf Materialien, die regional verfügbar, nachwachsend, emissionsarm oder kreislauffähig sind. Dazu zählen unter anderem Holz, Hanf, Lehm, Kalk und Stroh. Diese Baustoffe können bei fachgerechter Anwendung dazu beitragen, den Ressourcenverbrauch im Bausektor zu senken und Gebäude klimafit zu machen.

Die Sanierungspraxiszentren zeigen, wie solche Materialien im Bestand eingesetzt werden können. Besonders wichtig ist dabei der praktische Erfahrungsaufbau: Welche Materialien eignen sich für welche Bauteile? Wie können ökologische Baustoffe mit bestehenden Gebäuden kombiniert werden? Welche Verarbeitungstechniken braucht es? Und wie kann das Wissen an Betriebe, Schulen und Gemeinden weitergegeben werden?

Wissenstransfer und Fachkräfte

Nachhaltige Sanierung braucht qualifizierte Fachkräfte. RenewLab reagiert deshalb auch auf den Fachkräftemangel im Bau- und Handwerkssektor. Durch Schulungen, Exkursionen, Veranstaltungen, digitale Formate und praxisorientierte Erfahrungsberichte wird Wissen direkt an jene weitergegeben, die Sanierungen planen, ausführen, begleiten oder beauftragen.

Das Projekt richtet sich an Handwerksbetriebe, kleine und mittlere Unternehmen, Fachleute aus Planung und Bauwesen, Gemeinden, Forschungseinrichtungen, Schulen, junge Menschen in Ausbildung sowie Eigentümerinnen und Eigentümer von Gebäuden.

Was ist ein Sanierungspraxiszentrum?

Ein Sanierungspraxiszentrum ist ein Ort, an dem nachhaltige Sanierung ausprobiert, gezeigt und vermittelt wird. Im Unterschied zu einer reinen Ausstellung geht es bei RenewLab um echte Anwendungen in bestehenden oder leerstehenden Gebäuden. Materialien und Methoden werden unter realen Bedingungen getestet, dokumentiert und für andere nutzbar gemacht.

Die Living Labs in Schlanders, Obertilliach und Calalzo di Cadore werden damit zu Werkstätten für die Sanierung der Zukunft. Sie verbinden praktisches Handwerk mit Forschung, Weiterbildung und regionaler Entwicklung.

Projektpartner

RenewLab ist ein grenzüberschreitendes Projekt mit Partnern aus Italien und Österreich. Zum Projektkonsortium zählen:

Die Zusammenarbeit zwischen Südtirol, Tirol, Salzburg und Venetien ermöglicht den Austausch von Erfahrungen, Methoden und praktischen Lösungen über regionale und nationale Grenzen hinweg.

Laufzeit und Förderung

RenewLab läuft von Januar 2026 bis März 2028. Das Projekt wird von der Europäischen Union im Rahmen des Programms Interreg Italien–Österreich gefördert. Das genehmigte Gesamtbudget beträgt rund eine Million Euro.

Mit RenewLab entsteht ein grenzüberschreitendes Netzwerk für nachhaltige Sanierung, ressourcenschonendes Bauen und klimafitte Gebäude im Alpenraum.