Plattform Land auf Zukunftswerkstatt der Handelskammer

Zukunftswerkstatt 2019: die Gewerbegebiete im neuen Raumordnungsgesetz

Am Mittwochabend, den 12. Juni 2019, fand im Unternehmen Wolf Fenster AG in Schabs das Auftakttreffen der Veranstaltungsreihe „Zukunftswerkstatt Südtirol“ der Handelskammer Bozen statt. Die diesjährige Ausgabe diskutiert die Änderungen, die das neue Raumordnungsgesetz für die Südtiroler Unternehmen mit sich bringt. Hauptreferent war Rechtsanwalt Jakob Baldur Brugger, der bei der Ausarbeitung des neuen Gesetzes als externer Berater mitarbeitete.

Mit dem neuen Landesgesetz Raum und Landschaft, das ab 1. Januar 2020 in Kraft tritt, wird die Raumordnung und der Landschaftsschutz in Südtirol neu geregelt. Der Siedlungsraum in Südtirol ist begrenzt: Durch die Bautätigkeit in den letzten Jahrzehnten wird bereits rund ein Drittel der zur Besiedlung geeigneten Fläche genutzt. Die Nutzung der Gebäude ist aber oft noch nicht optimal.

Das neue Raumordnungsgesetz sieht deshalb eine Leerstandserhebung in allen Südtiroler Gemeinden vor. In diesem Zusammenhang berichtete Ulrich Höllrigl, Geschäftsführer der Plattform Land, vom Pilotprojekt „Leerstandsmanagement“. Ziel ist es dabei, die Leerstände in den Gemeinden zu erheben und sie möglichst wieder einer Nutzung zuzuführen. Außerdem werden die ermittelten Leerstände in eine Datenbank aufgenommen und die Bevölkerung für die umfassende Innenentwicklung sensibilisiert.

Als Hauptreferent des Abends sprach Rechtsanwalt Jakob Baldur Brugger von der Kanzlei Brugger & Partner in Bozen über die Gewerbegebiete im neuen Raumordnungsgesetz. Die Gewerbegebiete und der Durchführungsplan bleiben auch zukünftig erhalten, allerdings darf nur mehr innerhalb der festgelegten Siedlungsgrenze gebaut werden. Eine weitere Neuerung des Gesetzes ist die Einführung der Mischgebiete, in denen Wohnen und Wirtschaften zusammengeführt werden. Außerhalb der Siedlungsgrenzen können nur Wirtschaftsgebäude für die Landwirtschaft, Tourismuszonen sowie Speise- und Schankbetriebe in Skigebieten erbaut werden.

„Das Landesgesetz Raum und Landschaft reformiert die Raumordnung grundlegend. Auch in Zukunft braucht es jedoch Entwicklungsmöglichkeiten für die Wirtschaft. Neben dem Ziel, den Flächenverbrauch zu verringern, braucht es für Unternehmen Perspektiven, auch wachsen zu können. Nur dadurch kann auch künftig der Wohlstand in Südtirol gesichert werden“, betont Handelskammerpräsident Michl Ebner.

Die diesjährige Veranstaltungsreihe wird in Zusammenarbeit mit der Plattform Land realisiert. Die Plattform Land ist eine Südtiroler Allianz, die das Ziel hat, mit verschiedenen Initiativen und Maßnahmen den ländlichen Raum zu stärken, um ihn so lebendig und attraktiv zu halten. Gleichzeitig setzt sie sich für eine intelligente Flächennutzung ein.

Die nächsten zwei Treffen finden am 9. Juli im BASIS Innovations- und Gründerzentrum in Schlanders und am 10. Juli in der Aster GmbH in Jenesien statt. Beginn ist jeweils um 18.00 Uhr.

Aberer,Höllrigl, Augschöll, Brugger, Ebner, Lun (c) hk

Im Bild von links nach rechts: Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen; Ulrich Höllrigl, Geschäftsführer der Plattform Land; Johann Augschöll, Geschäftsführer der Wolf Fenster AG; Jakob Baldur Brugger, Rechtsanwaltssozietät Brugger & Partner; Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen und Georg Lun, Direktor des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung.

Referate und Radiointerview zur Jahrestagung 2019

Im Rahmen der Jahrestagung 2019 „Generationen – Leben & Wohnen auf dem Dorf“ wurden folgende Referate gehalten:

Demografischer Wandel – neue Herausforderungen und Formen für das Leben und Wohnen im ländlichen Raum, Thomas Streifeneder, EURAC

Generationengerecht leben auf dem Land, Gerhard Kiechle, Bürgermeister a.D., Eichstetten (Baden-Württemberg)

Mehrgenerationenhaus Siegerprojekt 2018, Reinhard Streng, Bürgermeister Langenfeld (Bayern)

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Zudem fand ein Forum mit Betroffenen zum Thema „Mehrgenerationen-Wohnen – (wie) geht das?“ statt:

Forum

Zum Abschluss gab es noch eine Diskussionsrunde mit Landesrätin Waltraud Deeg, Bürgermeister a.D. Gerhard Kiechle, 1. Vorsitzende des Südtiroler Jugendrings Tanja Rainer und Präsident des Verbands der Seniorenwohnheime Moritz Schwienbacher (v.l.n.r.; ganz rechts Moderator Ulrich Höllrigl):

Diskussionsrunde_2

Anlässlich der Jahrestagung wurde ein Radiointerview des Geschäftsführers Ulrich Höllrigl in der RAI ausgestrahlt: RAI Interview Generationen – Plattform Land

Neue Formen des Wohnens nötig – Jahrestagung 2019

Auch Südtirol wird nicht vom demografischen Wandel verschont bleiben. Um besonders den ländlichen Raum dennoch attraktiv zu halten sowie älteren Menschen ein würdiges Altern im eigenen Dorf zu ermöglichen, wird es neue Modelle des Wohnens und Zusammenlebens brauchen, von denen auch jüngere Menschen profitieren. Auf der Jahrestagung der Plattform Land wurden heute im Sarntal interessante Beispiele vorgestellt.

Die Zahlen, die Thomas Streifeneder von der EURAC präsentierte, sind eindeutig: Jeder fünfte Bürger war 2015 über 65 Jahre alt, in nur zehn Jahren werden es bereits 25 Prozent sein. Und aufgrund einer immer höheren durchschnittlichen Lebenserwartung – jene der Frauen steigt in den nächsten Jahren um sechs Jahre, die der Männer um fünf – wird das Thema „Leben im Alter“ auch in Südtirol immer aktueller. Weitere Faktoren, wie der Klimawandel, die Mobilität oder der Wunsch älterer Menschen nach einem Leben in vertrauter Umgebung, erfordern, das Wohnen auf dem Land teilweise neu zu gestalten, waren Landesrätin Waltraud Deeg und Landesrat Arnold Schuler überzeugt. „Die Nachfrage nach neuen Wohnformen, die selbstbestimmtes Leben im Alter ermöglichen, wird zunehmen.“

Hier sieht Andreas Schatzer, Präsident der Plattform Land, auch die Gemeinden stark gefordert, diePlattform-Land-Präsident Schatzer wiederum die Unterstützung des Landes brauchen. „Ebenso wichtig ist das Engagement der Bevölkerung. Besonders in kleinen Gemeinden kann dank der Ehrenamtlichen das Miteinander der Generationen positiv gestalten werden.“

Eine Möglichkeit, dem demografischen Wandel zu begegnen, ist daKiechles generationenübergreifende Leben. Ein Beispiel dafür gibt es in der Gemeinde Eichstetten in Baden-Württemberg. „Die Bevölkerung hat, mit Hilfe der Gemeinde, den Generationenvertrag übernommen“, berichtete der frühere Bürgermeister Gerhard Kiechle. Die Gemeinde habe Strukturen angekauft und engagierten Bürgern zur Verfügung gestellt, die dort Dienste für ältere Menschen anbieten. „Wir haben ein Seniorenhaus, Pflegewohngruppen, bieten Nachbarschaftshilfe oder die Tagespflege an. Dabei werden ehrenamtliche Mitarbeiter von Fachpflegekräften unterstützt.“ Ohne die aktive Beteiligung der Bevölkerung wären diese Strukturen kaum möglich. Zudem achten Gemeinde und Ehrenamtliche auf den Austausch zwischen den Generationen. „Im Seniorenhaus gibt es neben Sozialräumen, Wohnungen für betreutes Wohnen oder einer Tagespflegeeinrichtung ein integratives Cafè, Wohnungen für junge Familien und ein Geschäft. Daneben werden Grundschüler betreut. Der Kontakt zwischen Jung und Alt fördert das gegenseitige Verständnis“, so Kiechle.
In Langenfeld in Bayern steht ein preisgekröntes Mehrgenerationenhaus. Streng_2„Auch wir setzen stark auf eine Daseinsvorsorge in der Hand der Gemeinde, Bürgerinnen und Bürgern. Dafür nutzen wir ausschließlich ehemals leerstehende Gebäude, die die Gemeinde erwirbt, umbaut und den Bürgern zur Verfügung stellt – für Dienste für alte, aber auch junge Menschen“, erklärte Reinhard Streng, Bürgermeister von Langenfeld. Ähnlich wie in Eichstetten hat der Kontakt zwischen den Generationen eine zentrale Bedeutung. „Wir haben einen Seniorentreff, betreute Wohngemeinschaften, eine Krabbelgruppe, ein Nachhilfeangebot für Schüler und ein Internetcafè unter einem Dach.“ Zudem konnte im Dorf ein Dorfladen und ein Wirtshaus wiedereröffnet werden. Sehr beliebt sei auch der „Mittagstisch“, wo sich ältere Menschen und Kindergartenkinder zum gemeinsamen Mittagessen treffen.
Auch in Südtirol ist der Bedarf an neuen Formen des Wohnens für alte Menschen und an zusätzlichen Altenpflegestrukturen da. Laut Moritz Schwienbacher vom Verband der Seniorenwohnheime gebe es 15.000 pflegebedürftige Personen, von denen etwa ein Drittel in Pflegeheimen betreut wird. Hier werde es bis zu tausend zusätzliche Betten brauchen. Mehr als zwei Drittel werden zu Hause gepflegt, wobei die Nachfrage nach Hauspflege und Hauskrankenpflege steigt. Mehrgenerationenhäuser könnten hier eine wertvolle Ergänzung sein, auch um pflegende Angehörige zu entlasten. Verschiedene Projekte gebe es bereits.
Um ein gutes generationenübergreifendes Wohnen am Land zu garantieren, seien viele Maßnahmen wichtig, unterstrich Landesrätin Waltraud Deeg.Diskussionsrunde „Die Wohnbauförderung zählt genauso dazu wie die Raumplanung oder die Schaffung von Wohnraum für betreutes generationenübergreifendes Wohnen. Aufgabe der Politik ist es, hier die Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Zukünftig könnte das Mehr-Generationen-Wohnen besonders gefördert werden. Welchen Bedarf es an den verschiedenen Zukunftsmodellen des Wohnens gibt, wird derzeit erhoben.

Dass das generationenübergreifende Wohnen am Land aktueller denn je ist, zeigte sich auch am großen Interesse an der Jahrestagung der Plattform Land zum Thema „Generationen – Leben und Wohnen im Dorf“.

Jahrestagung „Generationen – Leben & Wohnen im Dorf“ am 30. Mai von 9-13 Uhr in Sarnthein

Die Jahrestagung der Plattform Land „Generationen – Leben & Wohnen im Dorf“ findet am Donnerstag, den 30. Mai 2019 von 9-13 Uhr im Sarner Bürgerhaus in Sarnthein statt.

Thema ist das generationenübergreifende Zusammenleben und -wohnen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels im ländlichen Raum. Anhand von Referaten, Beispielen und Diskussionen mit Experten und Betroffenen werden unterschiedliche Gesichtspunkte und mögliche beste Beispiele dazu präsentiert.

Programm „Generationen -Leben & Wohnen im Dorf“190329_Titelbild Einladung

Eine Anmeldung ist bis 27.05.2019 möglich über:

Email: info@plattformland.org

oder

Tel.: +39 0471 999 335

Plattform Land auf Treffen der europäische Senioren Union (ESU) in Bozen

Zum ersten Mal hat sich die Europäische Senioren Union (ESU) in Südtirol auf einer internationalen Konferenz präsentiert. Politisch  interessierte und aktive Südtiroler trafen sich hier vom 21. bis 23. März mit Gästen aus acht weiteren Ländern und elf ESU-Mitgliedsorganisationen. Von der ESU eingeladen, gingen sie der Frage nach, welchen Platz die Region im eigenen Land einnimmt und womit sie auf Europa ausstrahlen kann.

Referenten aus mehreren Lebensbereichen widmeten sich der Situation der Minderheiten in Norditalien und den Erwartungen an die Zukunft des integrierten Europa. Unter anderem berichtete unser Geschäftsführer Ulrich Höllrigl zu den Aktivitäten der Plattform Land, die sich für die Stärkung des ländlichen Raums und die intelligente Flächennutzung einsetzt. Im Jahr 2019 liegt ein besonderer Fokus auf den Perpektiven für Jung und Alt im ländlichen Raum. Dazu wird am 30. Mai die Jahrestagung „Generationen – Leben & Wohnen im Dorf“ stattfinden.

Zusammenleben der Generationen als Jahresthema

Der demografische Wandel macht auch vor Südtirol nicht Halt. Daher wird sich die Plattform Land, die sich für attraktive, lebendige ländliche Räume einsetzt, heuer besonders mit dem Zusammenleben der Generationen im ländlichen Raum auseinandersetzen. Auf der Mitgliederversammlung wurden zudem Vereinfachungsvorschläge beschlossen. Unterdessen wächst die Plattform Land weiter.

Durch den demografischen Wandel gewinnen Modelle des generationenübergreifenden Wohnens und der Versorgung älterer Menschen auch im ländlichem Raum an Bedeutung. Gleichzeitig wird das leistbare Wohnen für junge Menschen zunehmend aktuell. Mit den Themen „Alt und Jung“ wird sich die Plattform Land heuer intensiv beschäftigen. So steht die Jahrestagung am 30. Mai unter dem Motto „Generationen – Leben & Wohnen im Dorf“. „Dabei werden Modelle des generationenübergreifenden Wohnens vorgestellt“, erklärte der Präsident der Plattform Land, Andreas Schatzer.

m Herbst ist hingegen die Tagung „Land & Jugend“ geplant. Dabei werden junge Menschen für ihre Ideen zur Stärkung des ländlichen Raumes prämiert werden. Die Vorschläge sollen in Ideencamps entwickelt werden.

Vereinfachungen für Ministerin Stefani
Ein Schwerpunkt der Mitgliederversammlung war die Vorstellung von Vereinfachungen, die die Plattform Land in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Wirtschaftsring SWR-EA und der Landesverwaltung ausgearbeitet hat. Die Vorschläge wird Landeshauptmann Arno Kompatscher der Regionenministerin Erika Stefani überreichen. Neben Südtiroler Best-Practice-Beispielen, wie der dualen Ausbildung, der Nahversorgung, des kapillaren Freiwilligenwesens oder dem Südtirol-Pass, enthält das Dokument über 20 Maßnahmen zu Vereinfachungen. So sollen die Anti-Mafia-Erklärung begrenzt und die Immobilienübertragungen vereinfacht werden. Auch die Ausschreibung von landwirtschaftlichen Produkten soll erleichtert werden. Ein weiterer Wunsch ist, die Arbeitszeiten und den Jugendschutz anzupassen sowie die Revision und das Berichtswesen in vielen Sektoren zu beschränken.

Ausblick: Bestehende Projekte werden weitergeführt
Neben den neuen Projekten zum generationenübergreifenden Wohnen werden drei bereits begonnene Projekte auch 2019 weitergeführt.
Das Leerstandsmanagement hat das Ziel, Leerstände in den Gemeinden zu erheben und sie möglichst wieder einer Nutzung zuzuführen. „Dadurch sollen nicht nur die stärker belebt werden, sondern auch der Flächenverbrauch außerhalb eingeschränkt werden“, sagte der Präsident-Stellvertreter Leo Tiefenthaler. In fünf Gemeinden sind die Erhebungen durchgeführt worden. „Heuer sollen nochmals sechs bis acht Gemeinden dazukommen.“ Die Erhebung habe auch in Hinblick auf das neue Landesgesetz für Raum und Landschaft und die Abgrenzung des Siedlungsgebietes Relevanz.

Ebenfalls weitergeführt wird das Projekt „AlpJobs“. Mit Projektpartnern aus verschiedenen Ländern sollen zukünftige Jobprofile für junge Menschen ausgearbeitet werden.

Auch das dritte Projekt „Lokale Kreisläufe der Wirtschaft“ geht weiter. Ziel ist die Schaffung eines lokalen Kreislaufes, der auf eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Tourismus, Handel und Handwerk beruht. Gestartet wurde das Projekt in den Pilotgemeinden Schlanders und Glurns. Heuer soll das Konzept mit Vinschger Produkten versuchsweise umgesetzt werden.

Neben diesen drei Projekten hat die Plattform Land weitere Projekte im Blick, wie eine Studie zu den Zu- und Abwanderungsmotiven im ländlichen Raum.

Ein neues Mitglied aufgenommen
Auf der Mitgliederversammlung wurde Legacoopbund als neues Mitglieder aufgenommen. Damit gehören der Plattform Land nun 14 Mitglieder an.

Referate der Herbstveranstaltung „Arbeitsplätze für die Jugend im ländlichen Raum“ – online

Im Rahmen des EU-Projekts Logo ALPJOBS fand die diesjährige Herbstveranstaltung „Arbeitsplätze für die Jugend im ländlichen Raum“ am 29. November 2018 in Schlanders statt. Dabei ging es um Arbeitsplätze, welche auch in Zukunft wichtig sind, um junge Menschen im ländlichen Raum zu halten bzw. dazu zu bewegen (wieder) dorthin zu gehen. Programm Herbstveranstaltung.

Die Referate der drei Hauptreferenten:

Strategien für die Arbeit auf dem Land im Alpenraum – 2030Cassiano Luminati, Polo Poschiavo, Schweiz

Herausforderungen für die Unternehmen im Vinschgau für die ZukunftEnrico Zuliani, Hoppe AG, Vinschgau

ALPJOBS – Wie kann der Arbeitsmarkt im Vinschgau für junge Menschen attraktiv bleiben bzw. werden?“Urban Perkmann, WIFO, Handelskammer Bozen

Zum Abschluss fand ein unterhaltsamen Umtrunk mit dem Sprachkünstler Alex „Giovi“ Giovanelli aus dem Vinschgau statt.

Alex Giovanelli

 

Das Vinschger Paradoxon – Bericht zur Herbsttagung „Arbeitsplätze für die Jugend im ländlichen Raum“

Logo ALPJOBS

Lange hatte es der Vinschgau wirtschaftlich schwer. Heute hat er den Anschluss geschafft, wirtschaftlich und in Punkto Lebensqualität. Und doch wandern viele junge, qualifizierte Leute ab, hieß es auf einer Tagung der Plattform Land in Schlanders.

Karin Meister hat vor kurzem ihren Lebensmittelpunkt ins Schnalstal verlegt – weg von den urbanen Zentren in ein entlegenes Gebiet. Gerade dort gelingt es der Mutter, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Ausschlaggebend: Dank Home-Büro und digitaler Vernetzung kann sie teilweise von zuhause aus arbeiten. „Smart Working“ heißt das Zauberwort, und sie sieht es als Modell für viele gut ausgebildete Mütter, „die damit unabhängiger von Ort und Zeit auch anspruchsvolle Arbeit mit Verantwortung ausüben können.“

Noch ist Karin Meister in Südtirols Arbeitswelt eher die Ausnahme. Doch das dürfte sich ändern. Dies wurde in der Schlandersburg in Schlanders deutlich, wo sich die Herbsttagung der „Plattform Land“ mit der Frage nach geeigneten Arbeitsplätzen für die Jugend im ländlichen Raum beschäftigte – mit Schwerpunkt auf der Situation im Vinschgau.

Qualifizierte Arbeitsplätze – abwandernde Jugend

Dabei zeigte sich eine paradoxe Situation: Einerseits kann der Vinschgau heute mit vielen Arbeitsplätzen aufwarten – in so manchem internationalen Unternehmen auch mit hoher Qualifikation, guter Bezahlung und Aufstiegschancen. Und doch wandern junge Fachkräfte aus oder kommen nach dem Studium nicht mehr zurück. Darauf verwies vor allem Urban Perkmann vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) der Handelskammer Bozen.

Auf der Basis einer Umfrage unter jungen Vinschgern zeigte er auf, wie sich der Vinschgau zu einem idealen Arbeitsplatz entwickeln könnte: „Es bräuchte ein ‚Silicon Vinschgau‘: hohe digitale Kompetenz bei Bürgern, öffentlicher Verwaltung und Unternehmen sowie Strukturen wie Breitband.“ Die Erreichbarkeit – digital und auf den Straßen – sei eine Schwäche des Bezirks. Andererseits gebe es auch das Erfolgsmodell der VinschgerBahn. Eine Gefahr sieht er auch, wenn die öffentliche Verwaltung ihre Dienste zentralisiert und somit qualifizierte Arbeitsplätze abzieht. Andererseits hat der Vinschgau einige internationale, hoch spezialisierte Betriebe. „Nur sind diese wenig bekannt“, sagt Perkmann. Mit der Folge, dass sie händeringend nach Facharbeitskräften suchen, bestätigte Enrico Zuliani von der Firma Hoppe: „Wir bräuchten im Vinschgau 40 Auszubildende, aber nur für zehn Stellen hat sich jemand interessiert.“ Zuliani entwarf für die Vinschger Unternehmen einen Maßnahmenkatalog, mit dem sie für junge Facharbeitskräfte attraktiver werden können: „Sie brauchen eine Arbeit mit Sinn und mit Verantwortung. Natürlich spielt die Entlohnung eine Rolle, aber auch Aufstiegschancen, flache Hierarchien und schnelle Entscheidungen. Dazu wollen sie alle neuen Kommunikationsmöglichkeiten nutzen und wünschen flexible Arbeitsmodelle – zeitlich wie örtlich.“

Der Vinschgau hat natürlich auch Stärken. Darauf verwies nicht nur Perkmann, sondern auch Cassiano Luminati vom Polo Poschiavo aus der Schweiz. Wie viele Alpengebiete hat der Vinschgau eine hohe Lebensqualität – Landschaft, Freizeitmöglichkeiten, funktionierende Wirtschaft und Strukturen, Sicherheit, Wohnqualität usw. Luminati hat im Rahmen des Projekts ALPJOBS – ein Teilprojekt von EUSALP – einige kleine Alpenregionen auf die Frage untersucht, wie gute Arbeitgeber sie sind. Das Ergebnis: Wenn die Regionen auf ihre eigene, regionale Stärke setzen und darum herum ideale Strategien entwickeln, geht es den Menschen gut. Die einen punkten als Tourismus-Region, das Valposchiavo als 100-Prozent-Bio-Region usw.

Wichtig sei, dass diese Regionen ihre Erfahrungen austauschen und den jungen Menschen weiterhin eine gute Ausbildung und die nötigen Strukturen bieten. Daran weiter zu arbeiten, sich zu vernetzen und Kooperation statt Konkurrenzdenken anzustreben, ist laut der Tagung der Plattform Land auch die Hauptaufgabe der Politik, der öffentlichen Verwaltung, der Unternehmen und der Arbeitgeber.

Kooperation mit Landwirtschaft

Davon soll auch die Landwirtschaft profitieren. Immerhin ist sie durch ihre Arbeit in der Landschaft ein Rückgrat der Lebensqualität in den Alpen, merkten gleich einige Teilnehmer der Diskussion an, unter ihnen der neue Landtagsabgeordnete Franz Locher: „Wichtig ist, dass die heimischen Konsumenten und die Wirtschaft einschließlich der Landwirtschaft zusammenarbeiten. Da gibt es noch Potenzial.“

Grenzpendler in die Schweiz

Mit einer speziellen Abwanderung kämpft der obere Vinschgau. So sucht auch der junge Bauunternehmer Michael Hofer auf Prad viele Arbeitskräfte, die aber lieber in die benachbarte Schweiz pendeln: „Mit ihren deutlich höheren Löhnen werben die dortigen Unternehmen unsere frisch ausgebildeten Gesellen ab“, beklagte sich Hofer und appellierte an die anwesenden Landtagsabgeordneten Locher und Jasmin Ladurner, „dass sich die Landespolitik dieses Problems annimmt.“

Insgesamt aber zeigten sich alle Beteiligten zuversichtlich, dass die Chancen und Stärken im Vinschgau überwiegen. Wenn alle gemeinsam bereit sind, eine gute, duale Ausbildung, Arbeitszeitmodelle und Kooperationen zu nutzen, dann kann der Vinschgau, wie viele ländliche Räume im Alpenraum auch in Zukunft ein guter Arbeitgeber für junge Leute sein, fasste Leo Tiefenthaler, Vize-Sprecher der Plattform Land, am Ende zusammen. Karin Meister ist mit ihrem flexiblen Arbeitsmodell ein Beispiel dafür.

Logo EUSALPThis project is co-financed (ARPAF fund) by the European UnionLogo EU

Vorstellung Leerstandsmanagement auf dem regionalen Architektenkongress 2018

Im Rahmen des regionalen Architektenkongresses 2018 in Riva del Garda präsentierte der Geschäftsführer Ulrich Höllrigl der Plattform Land das Projekt Leerstandsmanagement. Zahlreiche Architekten aus Südtirol,  dem Trentino und darüber hinaus interessierten sich für diese Thematik, die angesichts offensichtlicher Leerstände im ländlichen Raum, aber auch aufgrund zunehmender Bewusstheit bezüglich der begrenzten Ressource Fläche – speziell im alpinen Raum – immer mehr in den Fokus rückt.

Die Kammer der Architekten Südtirol ist zudem neues Mitglied bei der Plattform Land. Eine verstärkte Zusammenarbeit im Bereich des Leerstandsmanagements zeigte bereits erste Früchte bei der Durchführung der Tage der Innenentwicklung, auf denen die Architekten für die Betroffenen kostenlose Erstberatungen im Hinblick auf Sanierungen gegeben haben.

 

Foto Architektenkongress Riva

v.l.n.r.: Johann Vonmetz (Präsident Architektenkammer Südtirol), Ulrich Höllrigl (Geschäftsführer Plattform Land), Susanna Serafini (Präsidentin Architektenkammer Trentino)

Regionale Kreisläufe der Wirtschaft – Exkursion in die Schweiz

Mehl, Mozzarella, Tomaten – alles aus der Region…so entsteht die Pizza „100% Valposchiavo“. Wer wissen möchte, woher das Essen stammt, das auf dem Teller vor einem liegt, der ist hier in dem Schweizer Alpental richtig.

Am 12. Oktober machte sich eine Gruppe aus 20 Personen aus dem Vinschgau im Rahmen des Projekts „Lokale Kreisläufe der Wirtschaft“ der Plattform Land auf den Weg in die Schweiz, genauer gesagt ins Valposchiavo (auf Deutsch: Puschlav) im italienischsprachigen Südbünden. Mit dabei waren Beteiligte aus der Landwirtschaft, dem Handwerk, dem Tourismus und den Gemeinden, denn es ging um Wirtschaftsbereich-übergreifende Zusammenarbeit. Mit dem Projekt “100% Valposchiavo” wird dort den lokalen Produkten ein ganz besonderer Platz eingeräumt.

Wirtschaftsbereich-übergreifende Zusammenarbeit

Damit die lokalen Produkte ihren Weg vom Produzenten zum Gast finden, haben sich die Bauernverbände von Brusio und Poschiavo, der Gewerbeverband Valposchiavo und die lokale Tourismusorganisation zusammengetan und gemeinsam das Projekt “100% Valposchiavo” lanciert, um den Gästen ein unverwechselbares kulinarisches Erlebnis zu bieten, Gutes da zu genießen, wo es herkommt.

Die Einbindung der Handwerkervereinigung führt dazu, dass nun die Etiketten vor Ort gedruckt werden und die Aufsteller für lokale Produkte aus Holz aus dem Tal hergestellt werden. Die Zusammenarbeit mit den Händlern hat erreicht, dass inzwischen alle Händler im Tal eine Valposchiavo Ecke/Regal in ihren Geschäften eingerichtet haben. Des Weiteren haben sich zehn Gastbetriebe im Tal zusammengeschlossen und gemeinsam die “Charta 100% Valposchiavo” unterzeichnet. Damit verpflichten sie sich, den lokalen Spezialitäten auf ihren Speisekarten einen ganz besonderen Platz einzuräumen. Jeder dieser Betriebe bietet mindestens drei Gerichte an, die ausschließlich aus Zutaten bestehen, die im Tal angebaut und verarbeitet werden.

Zwei Güteklassen

Es wurden mit “100% Valposchiavo” und “Fait sü in Valposchiavo” zwei Güteklassen geschaffen, die die Herkunft der Produkte nachvollziehbar macht. Ein Produkt kann mit dem Logo “Fait sü in Valposchiavo” ausgezeichnet werden, wenn es im Valposchiavo hergestellt wird, auch wenn die Rohstoffe nicht aus dem Tal stammen. Ein Produkt kann mit dem Logo “100% Valposchiavo” ausgezeichnet werden, wenn das Produkt selbst (im Falle von Rohstoffen wie Milch, Fleisch, Früchte und Gemüse etc.) oder all seine Bestandteile (im Fall von zusammengesetzten Produkten wie Wurstwaren, Joghurt, Backwaren etc.) aus dem Valposchiavo stammen.

Ein Ergebnis davon ist die Pizza „100% Valposchiavo!“

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Das Projekt diente als gute Inspiration für die Beteiligten aus Südtirol und wer weiß, vielleicht gibt es bald angesichts von Regiokorn, Südtiroler Mozzarella und Tomaten auch hier die erste Pizza „100% Südtirol“.