„Weg, zurück und immer noch da?“ am 26.1. – Studienergebnisse

Die Plattform Land und das WIFO haben mit Unterstützung der Handelskammer und der EURAC die Ab-, Rück- und Zuwanderungsmotive in Südtirol zum Teil mit speziellem Fokus auf den ländlichen Raum und auf die unterschiedlichen Motive für Frauen und Männer analysiert. Die Ergebnisse der beiden Studien wurden unter dem Motto „Weg, zurück und immer noch da?“ am 26. Jänner 2021 online vorgestellt:  

  • Studie WIFO (Zuwanderung in den ländlichen Raum)
  • Studie EURAC (Ab-, Rück- und Zuwanderungsmotive für Frauen und Männer)

Hier geht es zur Pressemitteilung.

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Stärkung der Hausärzte für eine bessere ärztliche Versorgung besonders im ländlichen Raum

Seit einigen Jahres hört man immer wieder vom Hausärztemangel, insbesondere im ländlichen Raum. Die Bedeutung der Gesundheit und der flächendeckenden ärztlichen Versorgung wird durch die aktuelle Coronakrise noch deutlicher. Das Land hat bereits erste Maßnahmen, wie z.B. die Aufstockung der Ausbildungsplätze gesetzt. Die Plattform Land hält jedoch weitere Unterstützungsmaßnahmen für nötig: Hausärzte sollen weitere Leistungen anbieten dürfen und die öffentliche Hand soll diesen z.B. durch günstige Mieten bei Einrichtung einer Praxis vor allem in Leerständen entgegenkommen.

Immer wieder haben die Südtiroler Medien vom Hausärztemangel und dessen Zunahme durch Pensionierungen in den vergangenen Jahren berichtet. Die Südtiroler Landesregierung ist darauf hin aktiv geworden und hat die Anzahl der Ausbildungsplätze auf 25 pro Jahr erhöht. Laut der Präsidentin der wissenschaftlichen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SüGAM – 220 Mitglieder von allen 290 tätigen Hausärzten in Südtirol) Dr. Doris Gatterer, werden jedoch nur ca. zwei Drittel der möglichen Ausbildungsplätze in den kommenden drei Jahren genutzt. Zudem verfügt ein Großteil der Auszubildenden nur über geringe Kenntnisse der deutschen Landessprache. Dies ist eine Herausforderung für den ländlichen Raum.

“Zudem sollen Hausärzte weitere Zusatzleistungen, wie beispielsweise EKG, Ultraschall und Spirometrie (Test der Lungenfunktion) nicht nur auf privater Basis durchführen können, sondern auch vom Sanitätsbetrieb vergütet bekommen. Diese Zusatzleistungen bringen wichtige klinische Informationen und ermöglichen zeitnahe Entscheidungen (diagnostisch und therapeutisch. Die langen Wartezeiten bei Facharztvisiten könnten dadurch auch verkürzt werden” konstatiert Präsidentin Gatterer. „Gemeinschaftspraxen müssen gefördert werden (wo geographisch möglich), neue Arbeitszeit-Modelle müssen entwickelt werden, um den jungen Ärztinnen und Mütter/Väter eine optimale Work-Life Balance zu ermöglichen. Es braucht eine beherzte gesundheitspolitische Entscheidung, die medizinische Grundversorgung für die südtiroler Bevölkerung weiterzuentwickeln und sie dadurch auf ein qualitativ hohes Niveau zu bringen. Die Investition kommt sowohl den Bürgern als auch den Ärztinnen und Ärzten zugute.“

Plattform Land-Präsident Andreas Schatzer verweist zudem auf eine bestehende gesetzliche Regelung: “Um eine wohnortnahe ärztliche Betreuung zu gewährleisten und um die Niederlassung von vertragsgebundenen Ärzten für Allgemeinmedizin zu fördern, können Gemeinden und andere öffentliche Körperschaften den Ärzten unentgeltlich Räumlichkeiten zur Nutzung als Hauptpraxis zur Verfügung stellen. Hier bieten sich auch Leerstände an, was wiederum zu einer Belebung der Ortszentren beiträgt. Dies sichere auch längerfristig die ärztliche Versorgung vor allem im ländlichen Raum.”

Ja zur Großraubtierregulierung

Die Plattform Land, ein Zusammenschluss von 15 Wirtschafts- und Sozialverbänden und dem Land Südtirol mit dem Ziel, den ländlichen Raum attraktiv zu halten, spricht sich für die Entnahme gefährlicher Großraubtiere und die Ausweisung großraubtierfreier Gebiete aus. Das stärke die Lebensqualität im ländlichen Raum.

Der ländliche Raum ist in Südtirol sowohl als Lebensraum als auch als Wirtschafts- und Freizeitraum attraktiver als in vielen anderen Bergregionen. Das ist aber keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Anstrengungen, Wohnen und Arbeiten in der Peripherie zu ermöglichen, funktionierende Basisdienste zu garantieren oder die Nahversorgung zu sichern und insgesamt zu einer hohen Lebensqualität beizutragen.
Die unkontrollierte Ausbreitung des Großraubwilds bedroht aber den lebendigen ländlichen Raum. Innerhalb eines Jahres hat sich die Wolfs- und Bärenpopulation verdreifacht und gefährdet nicht nur die traditionelle Almwirtschaft und damit die einzigartige Kulturlandschaft, die sowohl für Einheimische als auch für Touristen wichtig ist, sondern führt auch in der ländlichen Bevölkerung zu einer stärkeren Verunsicherung.
Aus diesen Gründen unterstützt die Plattform Land die Maßnahmen gegen eine ungebremste Ausbreitung von Großraubtieren im ländlichen Raum. „Wir sind für einen Managementplan, der die Entnahme gefährlicher Tiere vorsieht. Zudem muss es möglich sein, sensible Gebiete auszuweisen, die frei von Wölfen und Bären bleiben. Was in anderen europäischen Ländern bereits möglich ist, muss auch in Südtirol machbar sein“, sagt der Präsident der Plattform Land, Andreas Schatzer. Man dürfe nicht nur über den Erhalt der Attraktivität des ländlichen Raumes reden, sondern müsse konkrete Schritte setzen. Ein Großraubtiermanagementplan sei ein solcher, noch dazu wichtiger Schritt. Denn die Sicherheit der Menschen ist ein Grundbedürfnis und die Voraussetzung für einen lebendigen ländlichen Raum.

Referate des Online-Symposiums Innenentwicklung vom 19.11.20

Sanierung, Aufstockung, Leerstandsmanagement & Co
Das neue Landesgesetz „Raum und Landschaft“ ist im Juli in Kraft getreten und stellt Südtiroler Gemeinden, Planer und Architekten und die gesamte Baubranche vor neue Herausforderungen. Dörfer und Städte dürfen ihre Attraktivität nicht verlieren, gleichzeitig muss weiterem Flächenverbrauch durch neue Bauten entgegengesteuert werden. Immer wichtiger werden daher  Sanierungen, Aufstockungen, Leerstandsmanagement, nachhaltige Rohstoffe und innovative Urbanistik-Konzepte. Unten stehend finden Sie das Programm und die Referate vom 19.11.2020:

Programm_Symposium Innenentwicklung

  1. Einführung in das neue Gesetz Raum und Landschaft mit Bezug zur Innenentwicklung, Ressortdirektor Frank Weber, Raumentwicklung, Landschaft und Denkmalpflege
  2. Dachaufstockung und Sanierung im städtischen Raum Projekt Sinfonia, Marco Sette, Architekt
  3. Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes mit Holz und Anbau, Silvia Dell‘Agnolo, Architektin
  4. Leerstandsmanagement, André Mallossek, Plattform Land
  5. Sanierungslotse – Erfahrungen aus Energieinstitut Vorarlberg, Eckart Drössler, Energieinstitut Vorarlberg

Bestehendes nutzen und revitalisieren und so Ressourcen schonen

Symposium von IDM, Plattform Land und Architektenkammer bringt Lösungsansätze gegen Raumknappheit

Wie sieht die Zukunft des Bauens in einem Land aus, in dem nur 5,5 Prozent der Fläche bebaubar ist? Sie dreht sich auf jeden Fall um die Frage, wie man die Landschaft sorgsam nutzen kann, damit Südtirol weiterhin ein attraktiver Lebensraum für Südtirolerinnen und Südtiroler, aber auch für Gäste bleibt. Und Konzepte wie Sanierung, Aufstockung und Leerstandsmanagement werden darin breiten Raum finden. Darüber waren sich die Experten aus dem In- und Ausland einig, die gestern zum Webinar „Symposium Innenentwicklung“, organisiert von IDM Südtirol, der Plattform Land und der Kammer der Architekten, geladen waren. Vorgestellt wurde dabei vor den über 300 Teilnehmern des Events auch das neue Landesgesetz „Raum und Landschaft“, das im Juli in Kraft getreten ist. In einer Gesprächsrunde diskutierten im Anschluss Expertinnen und Experten, darunter Maria Hochgruber Kuenzer, Landesrätin für Raumordnung, zum Thema „Sanieren: Wichtig, aber richtig!“.

Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde auch beim Bauen. „Unsere Vision für Südtirol ist es, dazu beizutragen, dieses Land zum begehrtesten nachhaltigen Lebensraum Europas zu machen. Wenn wir das erreichen wollen, ist es wichtig, unsere Ressourcen mit großem Respekt zu behandeln. Braun vor grün ist eine von vielen Möglichkeiten, das zu tun: Wenn wir die bereits vorhandenen Bestände achtsam nutzen, indem wir sie renovieren, ausbauen und sinnvoll neu verwenden, sorgen wir dafür, dass unsere Dörfer und Städte attraktiv bleiben, und halten Flächen für Neubauten frei, wo diese notwendig sind“, sagt Vera Leonardelli, Direktorin der Abteilung Business Development von IDM. „In diesem Krisenjahr unternimmt jeder Sektor große Anstrengungen, Chancen für die Zukunft zu ermitteln. Im Austausch mit den Vertretern der Baubranche wurde der Bereich Aufstockungen, Anbauten und Sanierungen als eine Marktnische erkannt, die noch ungenutzte Chancen aufweist“.

Hier ergeben sich laut den beim Symposium anwesenden Experten Potentiale, die es zu nutzen gilt: ökologische, weil weniger Flächen beansprucht werden; soziale, indem neue Wohnangebote für verschiedene Bevölkerungsgruppen geschaffen werden; und wirtschaftliche, weil attraktiver, wenn möglich energetisch sanierter Wohnraum entsteht. So können etwa Dachaufstockungen ein Lösungsansatz sein für leistbares Wohnen ohne zusätzlichen Flächenverbrauch. Großes Augenmerk sollte dabei auf die Verwendung nachhaltiger regionaler Materialien wie etwa Holz gelegt werden, ihnen sollte der Vorzug gegeben werden gegenüber billiger Materialen aus dem globalen Markt, die eine schlechtere CO2-Bilanz aufweisen und bei denen es dann große Probleme mit der Entsorgung gibt.

Fokus auf Nachhaltigkeit heißt es auch bei der Plattform Land, die sich den Erhalt der Attraktivität des ländlichen Raumes auf die Fahnen geheftet hat und dabei besonders die Balance zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt im Auge hat. „Gerade im ländlichen Raum führt der Weg zu mehr Nachhaltigkeit über die Gemeinden. Denn auch wenn die Nachhaltigkeit ein globales Thema ist, müssen viele Probleme lokal gelöst werden, wie etwa das Thema Bauen bei Mangel an bebaubaren Flächen“, sagt Ulrich Höllrigl, Geschäftsführer der Plattform Land. „Wir haben deshalb bereits 2017 ein Projekt zum Leerstandsmanagement gestartet, bei dem Leerstände in Südtiroler Gemeinden erhoben werden. Ziel ist es, den Gemeinden einen Überblick über diese leerstehenden Bauten zu geben, damit sie in einem zweiten Schritt wieder genutzt werden könnten.“  Dieses Projekt, das einen wichtigen Beitrag zum Flächenschutz in Südtirol leisten will, wurde den Teilnehmern beim Webinar präsentiert.

Wie Dachaufstockung und Sanierung im städtischen Raum und bei denkmalgeschützten Gebäuden aussehen kann, erzählten die Architekten Sylvia Dell’Agnolo und Marco Sette an konkreten Beispielen; besonders die Beratung der Bauherren durch die Architekten führe zu funktionalen Gebäuden, unter Berücksichtigung ihrer Geschichte. Sanierungen werden zudem derzeit auch vom Staat mit dem Dekret „Rilancio“ kräftig unterstützt: Privatpersonen können einen Steuerabzug von 110 Prozent auf energetische Sanierungen geltend machen, wenn sich die Energieklasse des Gebäudes um zwei Stufen erhöht. „Hier sind die Rahmenbedingungen genau zu studieren und die dafür verwendeten Materialien müssen den ökologischen Mindestumweltkriterien (CAM) entsprechen, also weitestgehend natürlich und nachhaltig sein“, sagte Manuel Benedikter vom gleichnamigen Architekturbüro in Bozen und Vertreter der Kammer der Architekten, bei der Diskussionsrunde.  „Durch eine gute Planung des Architekten ist es einerseits möglich, behutsam mit der Bausubstanz umzugehen und trotzdem, beispielsweise mittels geeigneter Dämmmaterialien und unter Einsatz einer angemessenen Beschattung, im Winter wie im Sommer die Innentemperatur auch ohne Klimaanlage im Komfortbereich zu halten“, so Benedikter.

Welche Lösungen man andernorts für die Themen Leerstandsmanagement und Sanierung gefunden hat, wurde am Exempel des österreichischen Bundeslands Vorarlberg gezeigt. Dort werden sogenannte „Sanierungslotsen“ eingesetzt, die Besitzern von alten oder zu groß gewordenen Häusern dabei helfen, sie zu sanieren anstatt leer stehen zu lassen. Das Projekt läuft seit Anfang 2019. Zwölf „Sanierungslotsen“ sind derzeit im Einsatz, allesamt ausgebildete Architekten und Architektinnen, die über 60 Projekte begleiten.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Mit den zunehmenden Beschränkungen aufgrund der Covid-19-Pandemie häufen sich auch die – nachvollziehbaren – Stellungnahmen der betroffenen Interessengruppen.
Die Plattform Land als Interessensvertretung des ländlichen Raums ruft dazu auf, die Bedingungen für Homeoffice und Homeschooling zu verbessern und, soweit es die Situation erlaubt, Präsenz in den Schulen und der Kinderbetreuung zuzulassen. Wirtschaft und Soziales müssen sich ergänzen.

Ziel der Anti-Corona-Maßnahmen muss sein, das Wirtschaften zu ermöglichen und gleichzeitig die Beschränkungen des gesellschaftlichen Lebens inklusive der Kinderbetreuung, der Schulen und der Seniorenaktivitäten so gering wie möglich zu halten – im urbanen Raum genauso wie im ländlichen Raum. Die Plattform Land begrüßt daher die Initiative des Landes, flächendeckend Antigen-Schnelltests anzubieten. „Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich testen zu lassen“, appelliert Plattform-Land-Präsident Andreas Schatzer.

Kinderbetreuungseinrichtungen und Bildungsstätten für Kinder und Jugendliche sollten offenbleiben, wie dies auch in den meisten Nachbarstaaten der Fall ist, oder rasch wieder öffnen. Die wirtschaftlichen Aktivitäten sollen, mit so wenig sozialen Kontakten wie nötig, aber so viel Arbeitsplatzerhaltung wie möglich, weitergehen. Dazu gehört eine verstärkte Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice, wo immer dies möglich ist.
Allerdings ist Homeoffice und Homeschooling bzw. Kinderbetreuung gleichzeitig keine gute Lösung. Wenn also Betriebe offenhalten, muss auch die Frage der Kinderbetreuung beantwortet werden. Wenn es nicht möglich ist, Kitas, Kindergärten und Schulen offen zu halten, braucht es zumindest eine Notbetreuung für Kinder von allen berufstätigen Eltern. Ohne diese wird auch die Wirtschaft verstärkt Schaden leiden. „Nun müssen alle gesellschaftlichen Kräfte zusammenstehen und ihren Beitrag leisten, und zwar egal ob Bildung oder Wirtschaft, Stadt oder Land. Je mehr wir zusammenhalten, desto eher kommen wir auch wieder gemeinsam aus dieser Situation heraus“, betont Präsident Andreas Schatzer.

Plattform Land: Jahresthema 2021 ist die Innenentwicklung und der Flächenverbrauch

Die Innenentwicklung der Dörfer fördern, um weniger Flächen zu verbrauchen, damit will sich die Plattform Land im nächsten Jahr stärker beschäftigen. Auf der Mitgliederversammlung der Plattform Land, einer Allianz von 15 Wirtschafts- und Sozialorganisationen und der Landesverwaltung, wurden weiters vier laufende Projekte besprochen.

Die intelligente Flächennutzung und der Erhalt der Attraktivität des ländlichen Raumes sind die zwei Hauptanliegen der Plattform Land. Mit der Lebensqualität auf dem Land beschäftigt sich die Plattform Land u. a. im Rahmen des Projekts „FLOW“ (Förderung Land Orte Wirtschaft). Dazu wurde eine Genderstudie über die Abwanderungs- bzw. Bleibemotive im ländlichen Raum in Auftrag gegeben. „Ausbildung, Partnerschaft und Familie sowie die Arbeitsperspektiven sind die Hauptgründe für die Abwanderung von Männern und Frauen“, fasste Plattform-Land-Präsident Andreas Schatzer zusammen. Für Rückkehrer spielen zudem die Wohnmöglichkeiten eine entscheidende Rolle. Die befragten Zuwanderer in den ländlichen Raum gaben ebenfalls die Familie und die Arbeit als zentrale Entscheidungskriterien an. Die Dableiber würden am ländlichen Raum in Südtirol die Lebensqualität schätzen. Zudem halte sie der eigene Betrieb im Land. Ein Fazit der Studie, deren Ergebnisse im Detail im Dezember vorgestellt werden: „Der Kontakt der ländlichen Gemeinden mit den Abwanderern wirkt sich positiv auf die Rückwanderung aus. Abwanderung zu verhindern ist zudem eine gemeinsame Aufgabe der öffentlichen Verwaltung und der Privatwirtschaft“, so Schatzer.
Ein Pilotprojekt zu lokalen Wirtschaftskreisläufen sowie zu Vinschger Gerichten hat ebenfalls die Attraktivität des ländlichen Raumes zum Ziel. So wurden mit Unterstützung der Handelskammer Bozen der „Vinschger Bua“, ein Bauerntoast, und das „Marillen-Madl“, eine Süßspeise aus Getreide, Marillenaufstrich und Butter kreiert. Die Zutaten stammen aus dem Vinschgau. Diese zwei Gerichte sollen zukünftig verstärkt in der lokalen Gastronomie und im Handel angeboten werden und so die Sensibilität für lokale Kreisläufe stärken. Zugleich hat die Plattform Land in Absprache mit dem Handels- und Dienstleistungsverband Südtirol hds einen Fördervorschlag für kleine Nahversorgungsgeschäfte ausgearbeitet. „Diese sollen zukünftig noch stärker unterstützt werden, wenn sie Produkte mit dem Qualitätszeichen Südtirol oder mit der Marke ‚Roter Hahn‘ verkaufen“, sagte der Geschäftsführer der Plattform Land, Ulrich Höllrigl.
Zwei Projekte, die auf der Mitgliederversammlung der Plattform Land besprochen wurden, befassen sich hingegen mit der intelligenten Flächennutzung. Ziel des Projekts „Shelter“ ist es, einen Überblick über die Fördermöglichkeiten bei der Innenentwicklung bzw. bei Sanierungen zu geben und gleichzeitig die Förderungen in den Interreg-Regionen zu vergleichen. Gleichzeitig soll ein Beratungsmodell aufgebaut werden, wie es bereits in Vorarlberg angewandt wird. Ein weiteres Projekt, immer im Rahmen von „Shelter“, ist der sog. Folgekostenrechner. Damit können Gemeinden ohne größeren Aufwand die Kosten für neue Wohnbauzonen erheben und mit den Kosten für die Nutzung von Bestandsvolumen vergleichen.
Eine Initiative, die schon seit 2017 läuft und nun mit dem neuen Landesgesetz für Raum und Landschaft an Bedeutung gewonnen hat, ist das Leerstandsmanagement. „Für insgesamt 14 Gemeinden hat die Plattform Land die Leerstände erhoben. Letzthin sind mit Vahrn und Mölten zwei neue Gemeinden hinzugekommen“, berichtete Präsident Andreas Schatzer.

Heini Grandi von Coopbund hat das Modell der Bürgergenossenschaften vorgestellt, welche in Zukunft Dienste für die Allgemeinheit im ländlichen Raum übernehmen könnten. Beschlossen wurde auch, dass sich die Plattform Land mit einer Resolution zum Großraubwild äußern wird.

 

Pressemitteilung: Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

An der Nachhaltigkeit führt kein Weg mehr vorbei, darin waren sich die Teilnehmer der heutigen Jahrestagung der Plattform Land einig. Südtirol habe dafür gute Voraussetzungen. Wo Südtirol noch nachhaltiger werden muss, welche Stolpersteine es gibt und was die Entwicklung für den ländlichen Raum bedeutet, haben Experten heute per Videokonferenz diskutiert.

Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit im ländlichen Raum spielen die Gemeinden eine besondere Rolle, etwa durch die Unterstützung und Umsetzung von nachhaltigen Projekten, die Vernetzung von lokalen Akteuren und die Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger für Umwelt- und Klimaschutzthemen, sagte Andreas Schatzer, der Präsident der Plattform Land. Auch wenn die Nachhaltigkeit ein globales Thema sei, müssten viele Probleme lokal gelöst werden.
Seit längerem schon setzt die 20.000-Einwohner-Gemeinde Bad Berleburg in Südwestfalen mit dem Projekt „Global nachhaltige Kommune“ auf Nachhaltigkeit und Partizipation. In einem fortlaufenden Beteiligungsprozess vieler lokaler Akteure, Universitäten, der Landesverwaltung und lokalen Unternehmen wurden Nachhaltigkeitsziele und die entsprechenden Maßnahmen entwickelt. So werden alle städtischen Beschlüsse auf die Nachhaltigkeit hin bewertet. Zu den vielen Maßnahmen gehören auch ein Dorferneuerungsprozess und die Weiterentwicklung der südlichen Innenstadt. „Für das Projekt und die Umsetzung ist die Gemeinde Bad Berleburg im letzten Jahr mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden“, sagte Bürgermeister Bernd Fuhrmann. Aktuell forciere die Gemeinde das nachhaltige Bauen mit lokalem Holz.
Auch in Südtirol gibt es viele nachhaltige Vorzeigeprojekte, wie die HGV-Initiative „Südtirol Transfer“ für eine nachhaltige Mobilität oder die Aktion „local – seasonal – fair“ für einen verantwortungsbewussten Einkauf, an der die Südtiroler Bäuerinnenorganisation beteiligt ist. Ein gutes Beispiel ist auch die Bürgergenossenschaft Obervinschgau. Sie führt die Bio-Dorfsennerei Prad, verkauft auf dem Bauernmarkt lokale bäuerliche Produkte und unterstützt nachhaltige Projekte junger Menschen. Zwei kreative Handwerker kamen hingegen auf die Idee, Schildkappen aus Holz herzustellen.
Wichtig bei vielen nachhaltigen Projekten auf lokaler Ebene ist die Unterstützung durch das Land Südtirol. Die Landespolitik habe sich der Nachhaltigkeit und den UN-Nachhaltigkeitszielen verpflichtet, betonte Landeshauptmann Arno Kompatscher. Nachhaltigkeit bedeute aber nicht nur Verzicht, sondern heiße, zukünftig anders zu leben, wobei die Lebensqualität auch höher sein kann. „Wir müssen Wirtschaft und Gesellschaft teilweise neu denken und neue Lösungen finden. Südtirol ist auf dem richtigen Weg zu mehr Nachhaltigkeit.“
Der zentrale Hebel für ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit ist die Wirtschaft. Landeshauptmann Kompatscher appellierte, mehr auf lokale Kreisläufe zu setzen. Eine zentrale Bedeutung habe die Landwirtschaft. „Der Anbau wird sich dank Innovation, Technologisierung und Diversifizierung weiterentwickeln und ressourcenschonender werden. Diesen Prozess müssen wir proaktiv angehen“, so Kompatscher. Beim Tourismus müsse die Qualität vor der Quantität stehen.
Ein großes Thema ist auch die Mobilität. Hier brauche es noch mehr Angebote im öffentlichen Nahverkehr. Durch Digitalisierung und Homeoffice-Angeboten kann der Individualverkehr eingeschränkt werden. Prof. Gottfried Tappeiner wies darauf hin, dass auch die Dezentralisierung von öffentlichen Diensten und Arbeitsplätzen zu einer Verkehrsverminderung führt. Sehr gut aufgestellt ist Südtirol bei der Nutzung erneuerbarer Energien. Eine Chance für Südtirol sah Tappeiner auch in der Valorisierung der Wohnqualität und der Erholungsqualität: Beides müsse vor Ort angeboten werden.
Für Kompatscher bedeute Nachhaltigkeit auch Zugang zu Bildung, soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und eine faire Einkommensverteilung sowie Gesundheit. Alles in allem sieht Landeshauptmann Kompatscher das Land auf einem guten Weg. „Dennoch bleibt noch viel zu tun.“
Dass Nachhaltigkeit nicht nur die Städte betrifft, sondern auch den ländlichen Raum und sowohl die regionale Angebotsseite als auch die Nachfrageseite gefragt sind, erläuterte Prof. Andrè Reichel. „Wir müssen einerseits Ressourceneffizienz und regionale Wertschöpfungsketten verbessern und andererseits die Nachfrage nach nachhaltigen regionalen Gütern stärken.“ Um eine Region erfolgreich nachhaltig zu entwickeln, brauche es Mut und Offenheit für Neues sowie Menschen und Organisationen, die Initiatoren sind. „Südtirol hat gute Voraussetzungen, um zur ‚Nachhaltigkeitsregion Südtirol‘ zu werden.“
In einer abschließenden Runde diskutierten Federico Giudiceandrea (SWR-EA und Unternehmerverband Südtirol),  Irene Senfter (Ökoinstitut), Irmhild Beelen (Dachverband Gesundheit und Soziales), Wilhelm Haller (Junge Wirtschaft), Tanja Rainer (Jugendring) und Zeno Oberkofler (Fridays for future) über Südtirols Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Das Fazit der Diskussionsrunde: Ein „Weiter-wie-bisher“ sei der falsche Weg; Nachhaltigkeit ein Prozess, der nicht ganz einfach sei und begleitet werden müsse, aber große Chancen gerade auch für die Wirtschaft biete. Dabei dürfe natürlich die Gesellschaft nicht vergessen werden.
Gedanken zur Nachhaltigkeit hat sich auch die Poetry-Slamerin Eeva Aichner gemacht.

Online-Jahrestagung „Nachhaltigkeit im ländlichen Raum“ am 22. Oktober 2020 – Referate und Interview

Unten stehend finden Sie das Programm und die 3 Hauptreferate der Jahrestagung „Nachhaltigkeit im ländlichen Raum“ der Plattform Land zum Thema der Balance zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt mit dem Fokus auf kommunale Lösungen im ländlichen Raum vom 22. Oktober 2020:

Programm Jahrestagung 2020 (aufgrund der aktuellen Entwicklung als Online-Veranstaltung durchgeführt)

1_Nachhaltigkeit im ländlichen Raum_Prof_Reichel

2_Nachhaltigkeit und Entwicklung_Prof_Tappeiner

3_Nachhaltigkeit in der ländlichen Gemeinde_BM_Fuhrmann

Ein nachfolgendes Interview mit Prof. Tappeiner in der RAI-Sendung „Land und Leben“ vom 1.11.2020 hören Sie hier: http://www.senderbozen.rai.it/de/index.php?media=Pra1604232600 (ab Min. 6:38 – 17:30)

Plattform Land befürwortet Finanzzusagen für Co-Working-Räume

Mitte September wurde im Südtiroler Landtag ein Antrag der Landtagsabgeordneten Jasmin Ladurner zur finanziellen Förderung der Co-Working-Räume behandelt. Die Plattform Land hat den Antrag zur konkreten Unterstützung des Co-Working im ländlichen Raum unterstützt, da dadurch die Peripherie aufgewertet wird, Arbeitsplätze wohnortnah geschaffen und Familien und Pendlern bessere Arbeitseinteilungen geboten werden.

„Nach den Erfahrungen der letzten Monate mit neuen Online-Werkzeugen und Arbeitsformen wird die Bedeutung des Co-Working gerade auch im ländlichen Raum immer deutlicher“, sagt Andreas Schatzer, Präsident der Plattform Land.

„Auch hochqualifizierte Menschen, darunter insbesondere auch junge Frauen bzw. Familien haben hierdurch bessere Chancen vor Ort ihrer Tätigkeit nachzugehen. Zudem trägt die Reduktion des Pendlerverkehrs zur Nachhaltigkeit bei“, betont die Landtagsabgeordnete Jasmin Ladurner.

Co-Working-Räume ermöglichen das flexible Arbeiten in Gemeinschaftsbüros, sind oftmals Ausgangspunkt für innovative Geschäftsideen und fördern den Austausch untereinander im Gegensatz zum Homeoffice. Die Einrichtung von Co-Working-Räumen schafft und erhält Arbeitsplätze gerade in der Peripherie und setzt Impulse in der Umgebung, welche diese attraktiver machen, ist die Plattform Land überzeugt.

Bereits im Februar 2020 verabschiedete der Südtiroler Landtag einen Grundsatzbeschluss zum Co-Working. Die Plattform Land hat sich in der Zwischenzeit mit weiteren Akteuren, wie der Startbase in Bruneck oder der BASIS in Schlanders ausgetauscht und auch international die gestiegene Nachfrage nach neue Arbeitsformen wie dem Co-Working beobachtet. Nicht zuletzt gibt es aktuell in mehreren Südtiroler Gemeinden, davon eine im Rahmen einer INTERREG Kooperation mit der Plattform Land, Pläne bzw. erste Schritte einen Co-Working-Raum einzurichten. Allerdings sind diese Kosten nicht allein von der Gemeinde bzw. den Betreibern zu stemmen.

„Für Co-Working-Räume eignen sich besonders leerstehende Gebäude, die derzeit von der Plattform Land im Rahmen des Leerstandsmanagements erhoben werden. Dadurch werden Leerstände wieder einer sinnvollen Nutzung zugeführt“, unterstreicht Ulrich Höllrigl, Geschäftsführer der Plattform Land. Hierbei bedarf es einer konkreten Finanzierung. Die Plattform Land hat einen Finanzierungsplan ausgearbeitet: Kernpunkt ist ein Führungskostenzuschuss von 50% in den ersten Jahren sowie die Ausstattung mit dem schnellen Internet durch das Land für Co-Working-Räume. Eventuelle räumliche Adaptierungen bei einem Leerstand können durch die Gemeinden erfolgen. Diese Finanzierung soll auch für Co-Working-Räume beim Co-Workation (eine Kombination von Co-Working und Urlaubsangeboten) sowohl für öffentliche wie private Betreiber gelten. Voraussetzung für die Förderung ist der Zugang für alle Interessierten aus der Bürgerschaft.

„Die Plattform Land steht zudem gerne als Ansprechpartner für interessierte Gemeinden aus dem ländlichen Raum zur Verfügung, die einen solchen Co-Working-Raum einrichten wollen“, sagt Höllrigl. Nun liegt es an der Landespolitik, den Schritt von der grundsätzlichen zur konkreten Unterstützung zu gehen.

Am 17. September 2020 hat nun der Südtiroler Landtag die Förderung der Co-Working-Räume beschlossen und zwar aufbauend auf den Beschlussantrag zu den „Coworking-Spaces für Südtirols Dörfer“ aus dem letzten Jahr, die Errichtung von „Coworking-Spaces“ und Gemeinschaftsbüros im Leerstand oder auf verfügbaren Flächen bestehender Betriebe in ländlichen Gemeinden Südtirols durch einen durch die Landesregierung zu definierenden Startbeitrag finanziell zu unterstützen.

Im Archivbild von Februar 2020: v.l.n.r. Geschäftsführer Ulrich Höllrigl, Landtagsabgeordnete Jasmin Ladurner, Präsident Andreas Schatzer