Förderung der Innenentwicklung: Beispiel Streuhotel und innerörtliches Gewerbe in Neumarkt

Die Plattform Land traf sich im Juni zu einem Workshop bzgl. Förderungen der Innenentwicklung zusammen mit der zuständigen Landesverwaltung und den Pilotgemeinden Leerstandsmanagement sowie den Expertinnen und Experten vom Fachbeirat „Intelligente Flächennutzung“ in Neumarkt.

Anlässlich dieses Workshop wurden zwei Initiativen zur Förderung der Innenetwicklung vorgestellt:

  1. Bürgermeister Horst Pichler erläuterte das Modell des kürzlich eröffneten Streuhotels, bei dem leerstehende Wohnungen wieder einer Nutzung zugeführt wurden: Präsentation Streuhotel Neumarkt
  2. Zudem hat die Gemeinde Neumarkt eine entsprechende Verordnung zur Förderung des innerörtlichen Gewerbes erlassen: Verordnung Handel+Handwerk Ortskern Neumarkt

Start des Pilottests „Lokale Kreisläufe der Wirtschaft“

Am Samstag, 20. Juli 2019 wurde “da“, der 1. Pop-Up-Store (ein Pop-Up-Store ist ein kurzfristiges und provisorisches Einzelhandelsgeschäft, das vorübergehend in leerstehenden Geschäftsräumen betrieben wird) offiziell eröffnet. Bis 31. August werden dort nur frische, lokal angebaute Gemüsesorten und regional hergestellte Produkte angeboten.

Entstanden ist die Idee zu diesem Lebensmittelladen im Zuge des Projektes “Kiwi – lokale Kreisläufe der Wirtschaft“, der Plattform Land, als dessen Pilotgemeinde Schlanders, neben Glurns, fungiert.

Bereits seit 2018 arbeitet die Plattform Land mit Unterstützung der Handelskammer und in Zusammenarbeit mit Schlanders Marketing und Glurns Marketing daran, Partner aus den Wirtschaftssektoren Handel, Tourismus, Handwerk und Landwirtschaft zu finden, die sich an diesem Projekt beteiligen. Nach Gesprächen mit interessierten Betrieben und Produzenten stieß schließlich die Bürgergenossenschaft Obervinschgau (BGO) als Logistik-Partner zum Projekt. Die BGO erklärte sich bereit, für dieses Projekt die Logistik einschließlich der zentralen Bestellung und Abrechnung für biologisch und nicht biologisch hergestellte Vinschger Produkte zu übernehmen und so regionale Produzenten zu unterstützen.

Interessierte Betriebe können sich an die Bürgergenossenschaft Obervinschgau – BGO wenden: 0473 830 302 oder info@da.bz.it

Hier findet man die Teilnahmebedingungen Pilottest – KiWi für Produzenten und Abnehmer.

Vinschger Bua

BegleMarillen-Madlitend zur Eröffnung des Pop-Up-Stores, wurden von der Plattform Land auch zwei Vinschger Gerichte präsentiert. Zusammen mit der Bäuerin Monika Schwembacher und der Lebensmittelexpertin Bettina Schmid wurde die Rezeptur zweier bereits bestehender einfacher Gerichte dahingehend verändert, dass sie ganzjährig mit regional hergestellten Zutaten zubereitet werden können – die Süßspeise “Marillen-Madl“ und der deftige Gegenpart, der “Vinschger Bua“ wurden geboren.

Ziel ist es nun, dass diese Speisen in den Gastronomiebetrieben in Vinschgau – vorrangig in den beiden Pilotgemeinden –  angeboten werden und natürlich auch von der Bevölkerung bewusst für ihre Regionalität geschätzt werden.

Radiointerview Land & Leben: Erhalt des ländlichen Raumes dank neuer Formen der Altenbetreuung

Neue Formen der Altenbetreuung und des Zusammenlebens der Generationen sollen die Abwanderung vom ländlichen Raum bremsen. In Deutschland haben strukturschwache Gemeinden bereits Erfahrungen damit gemacht und bei der Tagung der Plattform Land erfolgreiche Beispiele vorgestellt. Anlässlich der diesjährigen Jahrestagung fand ein Interview mit dem ehemaligen Bürgermeister von Eichstetten (D) Gerhard Kiechle zu neuen Betreuungsformen für ältere Menschen im ländlichen Raum statt: Radiointerview Kiechle – RAI Land & Leben vom 14.07.2019 (von Minute 1:10 bis 6:00)

 

 

3. Zukunftswerkstatt 2019: das Raumordnungsgesetz im Fokus

Die Veranstaltungsreihe „Zukunftswerkstatt Südtirol“ der Handelskammer Bozen hat den Zweck, wichtige Herausforderungen für die Zukunft Südtirols zu erkennen und zu diskutieren. Am Mittwoch, 10. Juli 2019, fand in der Zimmerei/Tischlerei Aster in Jenesien das Abschlusstreffen der Veranstaltungsreihe statt, bei dem es um die Ziele des neuen Raumordnungsgesetzes ging.

Lun, Aberer, Aster, Weber, Höllrigl, Romen(c) hkDas neue Landesgesetz Raum und Landschaft tritt mit 1. Januar 2020 in Kraft und wird die bestehenden Gesetze zur Raumordnung und zum Landschaftsschutz ablösen. Ziele der Reform sind unter anderem die Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung sowie die Eindämmung der Zersiedelung und des Flächenverbrauchs. Derzeit wird an den Durchführungsverordnungen zum Gesetz gearbeitet, berichtete Frank Weber, Direktor des Ressorts Raumentwicklung, Landschaft und Denkmalpflege der Autonomen Provinz Bozen.

In sieben Pilotgemeinden (Kurtatsch, Klausen, Corvara, Ratschings, Welschnofen, Lana und Taufers im Münstertal) wird zurzeit das sogenannte Gemeindeentwicklungsprogramm erarbeitet, das in Zukunft das strategische Planungsinstrument der Gemeinde wird. Der Erstellungsprozess ist aufwendig: Unter Beteiligung von Bürger/innen und Verbänden erarbeiten die Gemeinden einen Entwurf. Als Basis dienen dabei zahlreiche Analysen wie zum Beispiel die Bevölkerungsentwicklung, Mobilitäts- und Tourismuskonzepte und die Abgrenzung des Siedlungsgebietes. Der Entwurf wird von der Landeskommission für Raum und Landschaft geprüft, erst vom Gemeinderat und anschließend von der Landesregierung genehmigt. Innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes müssen auch die restlichen Gemeinden ein solches Dokument vorlegen.

Zur Erstellung des Entwicklungsprogramms ist auch eine Leerstandserhebung notwendig, erklärt Ulrich Höllrigl, Geschäftsführer der Plattform Land. Dabei ermitteln die Gemeinden die bestehenden Leerstände und Baulücken im Gemeindegebiet, um sie möglichst wieder einer Nutzung zuzuführen. Das bildet eine weitere Möglichkeit, den Flächenverbrauch in Zukunft zu reduzieren und Ortskerne zu beleben.

Der Generalsekretär der Handelskammer, Alfred Aberer, betont: „Für die Wirtschaft ist wichtig, dass die neue Raumordnungsregelung zu einer Vereinfachung der bürokratischen Abläufe führt und die Verfahren in angemessener Zeit abgewickelt werden können.“

Die diesjährige Veranstaltungsreihe wird in Zusammenarbeit mit der Plattform Land realisiert.

Im Bild von links nach rechts: Georg Lun, Direktor des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung; Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen; Albert Aster, Geschäftsführer der Aster GmbH; Frank Weber, Direktor des Ressorts Raumentwicklung, Landschaft und Denkmalpflege; Ulrich Höllrigl, Geschäftsführer der Plattform Land und Paul Romen, Bürgermeister der Gemeinde Jenesien.

Bildnachweis: Handelskammer Bozen

2. Zukunftswerkstatt 2019: Siedlungsgrenzen und Baukommissionen im neuen Raumordnungsgesetz

Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltungsreihe „Zukunftswerkstatt Südtirol“ der Handelskammer Bozen, welche in Zusammenarbeit mit der Plattform Land realisiert wird, stehen das neue Raumordnungsgesetz und dessen Neuerungen für die Südtiroler Unternehmen. Am 9. Juli fand im BASIS Innovations- und Gründerzentrum in Schlanders das zweite Event statt, wobei der Schwerpunkt auf der Einführung der Siedlungsgrenzen lag.

Publikum (c) hk_2Mit dem neuen Landesgesetz Raum und Landschaft, das mit 1. Januar 2020 in Kraft tritt, wird die Raumordnung und der Landschaftsschutz in Südtirol neu geregelt. Ziele des Gesetzes sind unter anderem die Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung sowie die Eindämmung der Zersiedelung und des Flächenverbrauchs.

In diesem Zusammenhang sieht die Reform auch eine Erhebung der bestehenden Leerstände in allen Südtiroler Gemeinden vor. Ulrich Höllrigl, Geschäftsführer der Plattform Land, erklärt, dass es beim Leerstandsmanagement um die verantwortungsvolle Nutzung des begrenzten Raums geht. Dies bietet den Gemeinden einen langfristigen Gestaltungsspielraum. Ein Pilotprojekt zum Leerstandsmanagement wurde bislang in fünf Gemeinden durchgeführt und wird nun auf weitere Gemeinden ausgeweitet.

Das Landesgesetz Raum und Landschaft fällt in den Zuständigkeitsbereich des Ressorts Raumentwicklung, Landschaft und Denkmalpflege der Autonomen Provinz Bozen. Der Ressortdirektor Frank Weber sprach als Hauptreferent des Abends über die Festlegung des Siedlungsgebietes und die Neuregelung der Baukommissionen. Unter Einbeziehung von Bürger/innen und Verbänden grenzen die Gemeinden künftig das Siedlungsgebiet ab, in dem die Bebauung verdichtet und neues Bauland ausgewiesen werden kann. Das Bauen außerhalb der Siedlungsgrenzen wird somit zur Ausnahme: Hier können nur Wirtschaftsgebäude für die Landwirtschaft, Tourismuszonen sowie Speise- und Schankbetriebe in Skigebieten geschaffen werden. Der Bauherr hat in Zukunft außerdem die Möglichkeit, sein Projekt bei einem sogenannten Baugespräch zu erklären und einen Lokalaugenschein zu verlangen, bei dem sich die Baukommission vor Ort selbst ein Bild vom Projekt machen kann.

Die Einführung der Siedlungsgrenzen zielt auf die Reduzierung des Flächenverbrauchs und der Zersiedelung ab. Wichtig ist dabei, dass diese Neuerung die wirtschaftliche Tätigkeit der Unternehmen nicht einschränkt und ihnen auch weiterhin Wachstumsmöglichkeiten geboten werden“, unterstreicht Handelskammerpräsident Michl Ebner.

Im Bild oben von links nach rechts: Georg Lun, Direktor des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung; Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen; Ulrich Höllrigl, Geschäftsführer der Plattform Land; Andreas Schatzer, Präsident des Südtiroler Gemeindeverbandes; Dieter Pinggera, Bürgermeister der Marktgemeinde Schlanders; Hannes Götsch; Projektleiter beim BASIS Innovations- und Gründerzentrum; Frank Weber, Direktor des Ressorts Raumentwicklung, Landschaft und Denkmalpflege und Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen.

Bildnachweis: Handelskammer Bozen

Bericht Leerstandsmanagement in Trentiner Architektenzeitschrift 2019

Piattaforme e network per la riattivazione delle aree montane

di Ulrich Höllrigl e André Mallossek

Le aree interne -soprattutto quelle montane- richiedono oggi strategie innovative per un equilibrato sviluppo delle proprie potenzialità e per il mantenimento sostenibile delle proprie dinamiche vitali sempre più intaccate da logiche di sviluppo estranee alla natura dei luoghi.

La sottile ma sempre più chiara inversione di rotta che sembra registrarsi in tal senso -orientata tra l’altro da strumenti di tutela e nuove tendenze nel turismo e nei modi di vivere la montagna- fa ben sperare rispetto alla possibilità di radicamento di tali strategie.

In questo contesto, in Alto Adige è nata la “Piattaforma per il rurale” con l’obiettivo di mantenere vive e salvaguardare la qualità della vita delle zone rurali che accolgono oltre la metà della popolazione sudtirolese in qualità di sede di lavoro e di attività economiche ma anche di spazio vitale e luogo di svago e promuovere un utilizzo intelligente dei terreni e dei beni immobili dismessi in un contesto che vede sempre meno suoli liberi disponibili e che quindi richiederà sempre di più indirizzi a “consumo di suolo zero” che tuttavia non impediscano lo sviluppo economico di tali zone.

La Piattaforma è nata come associazione d’interesse nell’autunno del 2013 da una cooperazione tra Unione Agricoltori e Consorzio dei Comuni della Provincia di Bolzano e fondata come associazione nel aprile 2017, gli altri membri sono la Provincia autonoma di Bolzano-Südtirol, la Camera di Commercio di Bolzano, l’Associazione Provinciale Artigiani, Assoimprenditori Alto Adige, Unione albergatori e pubblici esercenti, l’Associazione liberi professionisti Alto Adige e la Federazione Raiffeisen Alto Adige. I nuovi membri dal 2018 sono il Katholischer Verband der Werktätigen (KVW-ACLI), il Südtiroler Jugendring e l’Associazione delle Residenze per Anziani dell’Alto Adige. Ultimamente si è anche aggiunto l’Ordine degli Architetti di Bolzano.

L’intento è quello di promuovere il networking e la collaborazione con organizzazioni estere, soprattutto dell’arco alpino e naturalmente anche con altri partner sudtirolesi.

Progetto pilota “Management degli spazi ed edifici vuoti”

Dall’estate 2017 come sperimentazione concreta delle potenzialità di questi temi è stato attivato il progetto pilota „Management degli spazi ed edifici vuoti“.

Il progetto pilota è iniziato in tre comuni: Chiusa/Klausen, San Leonardo in Passiria/St. Leonhard im Passeier e Termeno/Tramin.

In primo luogo, gli spazi vuoti per il progetto pilota sono stati definiti in coordinamento con il dipartimento provinciale competente e il consorzio dei comuni ed è stata richiesta una registrazione a livello provinciale per poterli utilizzare in futuro da altre autorità locali. Il primo passo è stata l’effettiva indagine sulla percentuale degli spazi/edifici vuoti.

Alla fine dell’anno 2017 sono state aggiunti i comuni di Trodena/Truden e Caldaro/Kaltern.

190204_Leerstandsmanagement - Phasen - fasi

Le fasi di lavoro e i risultati raggiunti

  1. Registrazione dello stato attuale: registrazione degli spazi ed edifici vuoti/capacità immobiliari e di altri fattori rilevanti da parte del comune stesso sulla base di definizioni e procedure concordate e applicabili a livello provinciale.
  2. Sensibilizzazione: serate informative come stimolo per il processo di coinvolgimento della popolazione e di determinazione dei bisogni per il rispettivo sviluppo interno.
  3. Digitalizzazione: coordinamento con la Provincia Autonoma di Bolzano-Südtirol e il consorzio dei comuni per quanto riguarda il software GIS uniforme e il suo ulteriore sviluppo per la gestione degli spazi ed edifici vuoti.
  4. Consultazioni iniziali: organizzazione di una „giornata di sviluppo interno“ con consulenze iniziali gratuite per le persone interessate nella comunità da parte di architetti (ristrutturazioni) e KVW/ACLI Arche (edilizia residenziale sovvenzionata, accessibilità) o altri esperti; esposizione simultanea della gestione degli spazi ed edifici vuoti con i migliori esempi dell’Alto Adige/Südtirol.

La fase attuativa è attualmente in fase di programmazione.

Risultati finora ottenuti:

  • definizione di criteri per la classificazione degli edifici e spazi vuoti a livello provinciale e in collaborazione con l’ufficio provinciale competente;
  • rappresentazione grafica degli spazi ed edifici vuoti su scala provinciale in collaborazione con la provincia e il consorzio dei comuni;
  • elaborazione di indagini complessive su comunità pilota presentate in occasione della conferenza annuale nel cui contesto è stata proposta una mostra sulla gestione degli spazi ed edifici vuoti nelle cinque comunità pilota;
  • sperimentazione e promozione della „Giornata dello sviluppo interno“ con consulenze iniziali gratuite per le persone interessate nei comuni.

Prospettive

Secondo la nuova legge urbanistica provinciale “Territorio e Paesaggio” che è stata approvata il 10 luglio 2018 e che entrerà in vigore il 1° gennaio 2020, tutti i comuni dell’Alto Adige/Südtirol dovranno “individuare, attraverso la pianificazione comunale, all’interno dell’area urbanizzata la capacità edificatoria residua, ovvero le aree ancora edificabili e il patrimonio edilizio pubblico e privato non utilizzato o sottoutilizzato idoneo al recupero o al riuso” [Articolo 17 (6) b].

Per questo la gestione degli edifici e spazi vuoti diventerà un tema di sicuro rilievo, se non altro per soddisfare un obbligo normativo, è la ricerca di una metodologia condivisa sarà prossimamente estensibile anche ad altri comuni dell’Alto Adige/Südtirol.

In accordo con l’amministrazione provinciale competente e il consorzio dei comuni sono utilizzati degli standard prestabiliti che saranno applicati e sviluppati uniformemente anche nel settore del software. Una formazione dei tecnici dei comuni in questo settore deve essere definita e realizzata.

Saranno inoltre analizzati i finanziamenti in modo più dettagliato e elaborate proposte adeguate.

Nel 2019 seguiranno altre giornate sullo sviluppo interno con consultazioni iniziali gratuite per le persone interessate.

Quelle: Trimestrale di informazione dell’Ordine degli Architetti PPC della provincia di Trento, www.a-architettitrento.it 01/2019

Plattform Land auf Zukunftswerkstatt der Handelskammer

Zukunftswerkstatt 2019: die Gewerbegebiete im neuen Raumordnungsgesetz

Am Mittwochabend, den 12. Juni 2019, fand im Unternehmen Wolf Fenster AG in Schabs das Auftakttreffen der Veranstaltungsreihe „Zukunftswerkstatt Südtirol“ der Handelskammer Bozen statt. Die diesjährige Ausgabe diskutiert die Änderungen, die das neue Raumordnungsgesetz für die Südtiroler Unternehmen mit sich bringt. Hauptreferent war Rechtsanwalt Jakob Baldur Brugger, der bei der Ausarbeitung des neuen Gesetzes als externer Berater mitarbeitete.

Mit dem neuen Landesgesetz Raum und Landschaft, das ab 1. Januar 2020 in Kraft tritt, wird die Raumordnung und der Landschaftsschutz in Südtirol neu geregelt. Der Siedlungsraum in Südtirol ist begrenzt: Durch die Bautätigkeit in den letzten Jahrzehnten wird bereits rund ein Drittel der zur Besiedlung geeigneten Fläche genutzt. Die Nutzung der Gebäude ist aber oft noch nicht optimal.

Das neue Raumordnungsgesetz sieht deshalb eine Leerstandserhebung in allen Südtiroler Gemeinden vor. In diesem Zusammenhang berichtete Ulrich Höllrigl, Geschäftsführer der Plattform Land, vom Pilotprojekt „Leerstandsmanagement“. Ziel ist es dabei, die Leerstände in den Gemeinden zu erheben und sie möglichst wieder einer Nutzung zuzuführen. Außerdem werden die ermittelten Leerstände in eine Datenbank aufgenommen und die Bevölkerung für die umfassende Innenentwicklung sensibilisiert.

Als Hauptreferent des Abends sprach Rechtsanwalt Jakob Baldur Brugger von der Kanzlei Brugger & Partner in Bozen über die Gewerbegebiete im neuen Raumordnungsgesetz. Die Gewerbegebiete und der Durchführungsplan bleiben auch zukünftig erhalten, allerdings darf nur mehr innerhalb der festgelegten Siedlungsgrenze gebaut werden. Eine weitere Neuerung des Gesetzes ist die Einführung der Mischgebiete, in denen Wohnen und Wirtschaften zusammengeführt werden. Außerhalb der Siedlungsgrenzen können nur Wirtschaftsgebäude für die Landwirtschaft, Tourismuszonen sowie Speise- und Schankbetriebe in Skigebieten erbaut werden.

„Das Landesgesetz Raum und Landschaft reformiert die Raumordnung grundlegend. Auch in Zukunft braucht es jedoch Entwicklungsmöglichkeiten für die Wirtschaft. Neben dem Ziel, den Flächenverbrauch zu verringern, braucht es für Unternehmen Perspektiven, auch wachsen zu können. Nur dadurch kann auch künftig der Wohlstand in Südtirol gesichert werden“, betont Handelskammerpräsident Michl Ebner.

Die diesjährige Veranstaltungsreihe wird in Zusammenarbeit mit der Plattform Land realisiert. Die Plattform Land ist eine Südtiroler Allianz, die das Ziel hat, mit verschiedenen Initiativen und Maßnahmen den ländlichen Raum zu stärken, um ihn so lebendig und attraktiv zu halten. Gleichzeitig setzt sie sich für eine intelligente Flächennutzung ein.

Die nächsten zwei Treffen finden am 9. Juli im BASIS Innovations- und Gründerzentrum in Schlanders und am 10. Juli in der Aster GmbH in Jenesien statt. Beginn ist jeweils um 18.00 Uhr.

Aberer,Höllrigl, Augschöll, Brugger, Ebner, Lun (c) hk

Im Bild von links nach rechts: Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen; Ulrich Höllrigl, Geschäftsführer der Plattform Land; Johann Augschöll, Geschäftsführer der Wolf Fenster AG; Jakob Baldur Brugger, Rechtsanwaltssozietät Brugger & Partner; Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen und Georg Lun, Direktor des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung.

Referate und Radiointerview zur Jahrestagung 2019

Im Rahmen der Jahrestagung 2019 „Generationen – Leben & Wohnen auf dem Dorf“ wurden folgende Referate gehalten:

Demografischer Wandel – neue Herausforderungen und Formen für das Leben und Wohnen im ländlichen Raum, Thomas Streifeneder, EURAC

Generationengerecht leben auf dem Land, Gerhard Kiechle, Bürgermeister a.D., Eichstetten (Baden-Württemberg)

Mehrgenerationenhaus Siegerprojekt 2018, Reinhard Streng, Bürgermeister Langenfeld (Bayern)

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Zudem fand ein Forum mit Betroffenen zum Thema „Mehrgenerationen-Wohnen – (wie) geht das?“ statt:

Forum

Zum Abschluss gab es noch eine Diskussionsrunde mit Landesrätin Waltraud Deeg, Bürgermeister a.D. Gerhard Kiechle, 1. Vorsitzende des Südtiroler Jugendrings Tanja Rainer und Präsident des Verbands der Seniorenwohnheime Moritz Schwienbacher (v.l.n.r.; ganz rechts Moderator Ulrich Höllrigl):

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Anlässlich der Jahrestagung wurde ein Radiointerview des Geschäftsführers Ulrich Höllrigl in der RAI ausgestrahlt: RAI Interview Generationen – Plattform Land

Neue Formen des Wohnens nötig – Jahrestagung 2019

Auch Südtirol wird nicht vom demografischen Wandel verschont bleiben. Um besonders den ländlichen Raum dennoch attraktiv zu halten sowie älteren Menschen ein würdiges Altern im eigenen Dorf zu ermöglichen, wird es neue Modelle des Wohnens und Zusammenlebens brauchen, von denen auch jüngere Menschen profitieren. Auf der Jahrestagung der Plattform Land wurden heute im Sarntal interessante Beispiele vorgestellt.

Die Zahlen, die Thomas Streifeneder von der EURAC präsentierte, sind eindeutig: Jeder fünfte Bürger war 2015 über 65 Jahre alt, in nur zehn Jahren werden es bereits 25 Prozent sein. Und aufgrund einer immer höheren durchschnittlichen Lebenserwartung – jene der Frauen steigt in den nächsten Jahren um sechs Jahre, die der Männer um fünf – wird das Thema „Leben im Alter“ auch in Südtirol immer aktueller. Weitere Faktoren, wie der Klimawandel, die Mobilität oder der Wunsch älterer Menschen nach einem Leben in vertrauter Umgebung, erfordern, das Wohnen auf dem Land teilweise neu zu gestalten, waren Landesrätin Waltraud Deeg und Landesrat Arnold Schuler überzeugt. „Die Nachfrage nach neuen Wohnformen, die selbstbestimmtes Leben im Alter ermöglichen, wird zunehmen.“

Hier sieht Andreas Schatzer, Präsident der Plattform Land, auch die Gemeinden stark gefordert, diePlattform-Land-Präsident Schatzer wiederum die Unterstützung des Landes brauchen. „Ebenso wichtig ist das Engagement der Bevölkerung. Besonders in kleinen Gemeinden kann dank der Ehrenamtlichen das Miteinander der Generationen positiv gestalten werden.“

Eine Möglichkeit, dem demografischen Wandel zu begegnen, ist daKiechles generationenübergreifende Leben. Ein Beispiel dafür gibt es in der Gemeinde Eichstetten in Baden-Württemberg. „Die Bevölkerung hat, mit Hilfe der Gemeinde, den Generationenvertrag übernommen“, berichtete der frühere Bürgermeister Gerhard Kiechle. Die Gemeinde habe Strukturen angekauft und engagierten Bürgern zur Verfügung gestellt, die dort Dienste für ältere Menschen anbieten. „Wir haben ein Seniorenhaus, Pflegewohngruppen, bieten Nachbarschaftshilfe oder die Tagespflege an. Dabei werden ehrenamtliche Mitarbeiter von Fachpflegekräften unterstützt.“ Ohne die aktive Beteiligung der Bevölkerung wären diese Strukturen kaum möglich. Zudem achten Gemeinde und Ehrenamtliche auf den Austausch zwischen den Generationen. „Im Seniorenhaus gibt es neben Sozialräumen, Wohnungen für betreutes Wohnen oder einer Tagespflegeeinrichtung ein integratives Cafè, Wohnungen für junge Familien und ein Geschäft. Daneben werden Grundschüler betreut. Der Kontakt zwischen Jung und Alt fördert das gegenseitige Verständnis“, so Kiechle.
In Langenfeld in Bayern steht ein preisgekröntes Mehrgenerationenhaus. Streng_2„Auch wir setzen stark auf eine Daseinsvorsorge in der Hand der Gemeinde, Bürgerinnen und Bürgern. Dafür nutzen wir ausschließlich ehemals leerstehende Gebäude, die die Gemeinde erwirbt, umbaut und den Bürgern zur Verfügung stellt – für Dienste für alte, aber auch junge Menschen“, erklärte Reinhard Streng, Bürgermeister von Langenfeld. Ähnlich wie in Eichstetten hat der Kontakt zwischen den Generationen eine zentrale Bedeutung. „Wir haben einen Seniorentreff, betreute Wohngemeinschaften, eine Krabbelgruppe, ein Nachhilfeangebot für Schüler und ein Internetcafè unter einem Dach.“ Zudem konnte im Dorf ein Dorfladen und ein Wirtshaus wiedereröffnet werden. Sehr beliebt sei auch der „Mittagstisch“, wo sich ältere Menschen und Kindergartenkinder zum gemeinsamen Mittagessen treffen.
Auch in Südtirol ist der Bedarf an neuen Formen des Wohnens für alte Menschen und an zusätzlichen Altenpflegestrukturen da. Laut Moritz Schwienbacher vom Verband der Seniorenwohnheime gebe es 15.000 pflegebedürftige Personen, von denen etwa ein Drittel in Pflegeheimen betreut wird. Hier werde es bis zu tausend zusätzliche Betten brauchen. Mehr als zwei Drittel werden zu Hause gepflegt, wobei die Nachfrage nach Hauspflege und Hauskrankenpflege steigt. Mehrgenerationenhäuser könnten hier eine wertvolle Ergänzung sein, auch um pflegende Angehörige zu entlasten. Verschiedene Projekte gebe es bereits.
Um ein gutes generationenübergreifendes Wohnen am Land zu garantieren, seien viele Maßnahmen wichtig, unterstrich Landesrätin Waltraud Deeg.Diskussionsrunde „Die Wohnbauförderung zählt genauso dazu wie die Raumplanung oder die Schaffung von Wohnraum für betreutes generationenübergreifendes Wohnen. Aufgabe der Politik ist es, hier die Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Zukünftig könnte das Mehr-Generationen-Wohnen besonders gefördert werden. Welchen Bedarf es an den verschiedenen Zukunftsmodellen des Wohnens gibt, wird derzeit erhoben.

Dass das generationenübergreifende Wohnen am Land aktueller denn je ist, zeigte sich auch am großen Interesse an der Jahrestagung der Plattform Land zum Thema „Generationen – Leben und Wohnen im Dorf“.

Jahrestagung „Generationen – Leben & Wohnen im Dorf“ am 30. Mai von 9-13 Uhr in Sarnthein

Die Jahrestagung der Plattform Land „Generationen – Leben & Wohnen im Dorf“ findet am Donnerstag, den 30. Mai 2019 von 9-13 Uhr im Sarner Bürgerhaus in Sarnthein statt.

Thema ist das generationenübergreifende Zusammenleben und -wohnen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels im ländlichen Raum. Anhand von Referaten, Beispielen und Diskussionen mit Experten und Betroffenen werden unterschiedliche Gesichtspunkte und mögliche beste Beispiele dazu präsentiert.

Programm „Generationen -Leben & Wohnen im Dorf“190329_Titelbild Einladung

Eine Anmeldung ist bis 27.05.2019 möglich über:

Email: info@plattformland.org

oder

Tel.: +39 0471 999 335