Andreas Schatzer Sprecher der Plattform Land und Vorstellung Themen sowie Veranstaltungsreihe

Kooperationen und Basisdienste im ländlichen Raum im Fokus

Mit gezielten Maßnahmen will die Plattform Land den ländlichen Raum stärken. Auf der letzten Mitgliederversammlung im November 2016 wurden eine Veranstaltungsreihe zum Thema Kooperationen und zwei Pilotprojekte für die Entwicklung lokaler Kreisläufe und zum Leerstandmanagement vorgestellt. Turnusmäßig ist zudem der Vorsitz vom Südtiroler Bauernbund zum Gemeindenverband Südtirol gewechselt.    

Auf der Mitgliederversammlung im November 2016 wurden zwei geplante Pilotprojekte vorgestellt. Das Pilotprojekt „Lokale Kreisläufe der Wirtschaft“, soll, unter Einbeziehung der Bevölkerung, die Zusammenarbeit zwischen den Wirtschaftszweigen verbessern. „Vorgesehen ist u. a., dass zunehmend mehr lokale Produkte und Dienste angeboten und Gesamtmarketingkonzepte erarbeitet werden. Dadurch wird die Wertschöpfung vor Ort gestärkt“, erklärte der bisherige Sprecher Leo Tiefenthaler. Als Versuchsregion wurde der Vinschgau ausgewählt, wo zwei Gemeinden das Projekt mit Unterstützung der Verbände umsetzen sollen.

Beim zweiten geplanten Projekt „Innenentwicklung“ geht es um ein aktives Leerstandmanagement. „In noch zu definierenden Gemeinden sollen alle leerstehenden Gebäude – Wohn- und Wirtschaftsgebäude – erfasst und in eine Datenbank eingetragen werden, um anschließend in Zusammenarbeit mit den Eigentümern und allen Interessierten diese Gebäude wieder zu nutzen. Das trägt dazu bei, bei Grund und Boden zu sparen, ganz nach dem Motto: ‚Aus alt mach neu‘, sagte Andreas Schatzer, bisheriger Sprecher-Stellvertreter.

Neu: Jahresmotto und Sprecher

Auf der Mitgliederversammlung wurde zudem das Jahresthema 2017 beschlossen. Im nächsten Jahr werden sich die Mitglieder der Plattform mit den Basisdiensten im ländlichen Raum befassen. „Neben Wohnmöglichkeiten und Arbeitsplätzen sind es gerade die sozialen Dienste und die Infrastrukturen, die den ländlichen Raum attraktiv machen. Daher will man hier ansetzen und den politisch Verantwortlichen Vorschläge unterbreiten, wie der ländliche Raum attraktiv gehalten werden kann“, sagte Leo Tiefenthaler. Das wird auch eine der Aufgaben des neuen Sprechers der Plattform Land sein. Auf der letzten Sitzung hat der bisherige Sprecher Leo Tiefenthaler sein Amt turnusmäßig an den Präsidenten des Gemeindenverbandes Südtirol Andreas Schatzer übergeben. In zwei Jahren ist dann der SBB wieder an der Reihe.

Veranstaltungsreihe

Vorgestellt wurden auf der Mitgliederversammlung vier Veranstaltungen zum Thema „Gemeinde- und verbandsübergreifende Kooperationen im ländlichen Raum“, um die Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinweg und zwischen verschiedenen Interessensgruppen und Wirtschaftsbereichen zu fördern. Dass solche Kooperationen bereits erfolgreich gelebt werden, zeigen Beispiele aus dem ganzen Land, die bei den Abendveranstaltungen (Start ist am 23. November 2016 im Bildungshaus Goldrain) präsentiert und danach im Rahmen von Exkursionen veranschaulicht werden. Die Veranstaltungen richten sich an alle interessierten Personen, insbesondere die lokale Bevölkerung vor Ort, Verantwortungsträger/innen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Veranstaltungsreihe „Unsere Zukunft auf dem Land“ – November 2016 bis März 2017

Kooperationen – sowohl vertikale als auch horizontale – über Gemeindegrenzen hinweg und zwischen verschiedenen Interessensgruppen und Wirtschaftsbereichen sind angesagt, und daher Thema der Veranstaltungsreihe. Dass dies heute schon in Südtirol gelebt wird und wie dies erfolgreich funktioniert, zeigen beste Beispiele aus jeweils anderen Bezirken, die bei den Abendveranstaltungen präsentiert werden. Diese und andere beste Beispiele werden dann später im Rahmen einer ganztägigen Exkursion besichtigt und erläutert.

Das Ziel ist die Schaffung und Stärkung der Kooperationskompetenz von engagierten Personen im ländlichen Raum durch Informationen und praktische Erfahrungen. Die Veranstaltungen richten sich generationsübergreifend an alle interessierten Personen, insbesondere an die lokale Bevölkerung vor Ort sowie an die Verantwortungsträger in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Hauptreferent auf allen Abendveranstaltungen ist der ehemalige Landeshauptmann Dr. Luis Durnwalder.

Abendveranstaltungen: „Unsere Zukunft auf dem Land“, Dauer 19 – 21 Uhr

  • 23. November 16:  Bildungshaus Schloss Goldrain
  • 12. Dezember 16:   Sarner Bürgerhaus, Sarnthein
  • 17. Jänner 17:          Bildungshaus Kloster Neustift
  • 21. Februar 17:        Fachschule Dietenheim

Die anschließenden ganztägigen Exkursionen, bei denen die besten Beispiele besichtigt werden können, erfolgen am:

  • 17. Dezember 16:   Etsch- und Sarntal
  • 28. Jänner 17:         Burggrafenamt und Vinschgau
  • 11. März 17:              Eisack- und Pustertal

Die Abendveranstaltungen sind kostenlos und mit € 30,00 + MwSt. ist man bei den Exkursionen dabei. Eine Anmeldung ist für beides erforderlich und erfolgt über:

SBB Weiterbildungsgenossenschaft, Tel. 0471 999368 oder weiterbildung@sbb.it

Anmeldefrist: 1 Tag vor den Abendveranstaltungen und 3 Tage vor den Exkursionen

Das detaillierte Programm Veranstaltungsreihe „Unsere Zukunft auf dem Land“

Veranstaltung „Lebensqualität durch Nähe“ am 14.11.16 im Bildungshaus Neustift

Tagung und Netzwerktreffen der europäischen Schulen der Land- und Dorfentwicklung

Politische und gesellschaftliche Akteure in unseren Gemeinden stehen vor der Herausforderung, den gesellschaftlichen Wandel neu zu gestalten und den Zusammenhalt, das bürgerschaftliche Engagement und das Miteinander zu beleben. Ausgehend von dem Projekt der SPES Zukunftsakademie Österreich unter dem Titel „Lebensqualität durch Nähe“ findet vom 13.-15.11.2016 eine Tagung im Bildungshaus Kloster Neustift statt. Die Tagung stellt regionale und internationale Projekte zur Diskussion, die auf dem Weg sind, langfristig die Lebensqualität in Gemeinde und Region zu sichern.

Das Programm der Tagung finden Sie hier: Tagung Lebensqualität durch Nähe Neustift 2016

Die Plattform Land ist als Partner eingebunden und stellt am 14.11.16 vormittags aktuelle Entwicklungen in Südtirol vor.

 

„Kurtinig ist Beispiel für andere Gemeinden“

Die Gemeinde Kurtinig ist für ihren innovativen Dorfentwicklungsplan, der die Attraktivität des Dorfes stärken soll, im Rahmen des Europäischen Dorferneuerungspreis ausgezeichnet worden. Für die „Plattform Land“ ist Kurtinig damit ein Beispiel, wie eine positive Innenentwicklung zu mehr Lebensqualität und Attraktivität führen kann.

Wie das Dorf entwickeln? Mit dieser Frage haben sich die politisch Verantwortlichen in Kurtinig beschäftigt und einen umfassenden Dorfentwicklungsplan erarbeitet. Dieser sieht u. a. einen verantwortungsbewussten Umgang mit historischer Bausubstanz, die Idee, den Dorfplatz als eine Art Wohnzimmer der Bürger zu etablieren sowie die Schaffung einer Art Parklandschaft im Bereich der öffentlichen Gebäude vor. Zudem war Kurtinig bemüht, die öffentliche Infrastruktur zu bewahren und die interkommunale Zusammenarbeit auszubauen. So sind u. a. der Skaterpark Unterland und der Weinlehrpfad „Drei Dörfer – ein Weg“ entstanden.

Das Dorferneuerungskonzept hat die Jury der Europäischen „ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung“ überzeugt und bewogen, Kurtinig vor über 1.000 Dorferneuerungsakteuren aus ganz Europa in Tihany/Ungarn auszuzeichnen. „Für die ‚Plattform Land‘ zeigt die Auszeichnung, dass auch in Südtirol der Erhalt der Attraktivität des ländlichen Raumes und die Sicherung der Lebensqualität immer mehr in den Fokus rückt“, freut sich der Sprecher der Plattform Leo Tiefenthaler, der zusammen mit dem Stellvertreter Andreas Schatzer der Gemeinde Kurtinig zur Auszeichnung gratulieren. „Kurtinig ist ein gutes Beispiel für andere Gemeinden, wie eine Gemeinde positiv entwickelt werden kann.“ Eine treibende Kraft bei der Dorferneuerung war Bürgermeister Manfred Mayr. „Für unsere kleine Grenzlandgemeinde ist dieser Preis Auftrag und Verpflichtung zugleich, den eingeschlagenen Weg fortzuführen zum Wohle und im Interesse der Dorfgemeinschaft.“

Gewinnerin des Europäischen Dorfentwicklungspreis 2016 war übrigens die Tiroler Gemeinde Fließ für ihre vorbildliche Siedlungspolitik, die zeitgemäße Baukultur, die Belebung des Ortskerns, die Unterstützung der Landwirtschaft, Wirtschaft und Beschäftigung sowie für die Pflege der Natur- und Kulturlandschaft. Der nächste Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis findet wieder in zwei Jahren statt. Die „Plattform Land“ ruft die Südtiroler Gemeinden zu einer regen Teilnahme am nächsten Wettbewerb 2018 auf.

„Plattform Land“: EU-Entscheid zur Postzustellung auch im ländlichen Raum wichtig

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Um den ländlichen Raum als Wohn-, Arbeits- und Freizeitraum attraktiv zu halten, sind funktionierende Grunddienste nötig. Dazu gehört auch die tägliche Postzustellung, die in einigen Gemeinden mehr schlecht als recht funktioniert. Vor kurzem hat das Europäische Parlament eine wichtige Entscheidung getroffen, die die tägliche Postzustellung sichern soll, freut sich die „Plattform Land“.

Die Richtlinie der Postdienste, die die Europaparlamentarier mit großer Mehrheit angenommen haben besagt, dass die Zustellung der Post an allen Werktagen zu annehmbaren Konditionen aufrechterhalten bleiben muss. Dies gilt besonders für den ländlichen Raum, wo es oft große Probleme mit der Zustellung gibt.

Die Plattform Land begrüßt diese Entscheidung des Europäischen Parlaments, die nun die italienische Post drängt, die Zustelldienste im ländlichen Raum beizubehalten anstatt – wie durchklingen lassen – zu reduzieren. Der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann hatte zuletzt mehrfach darauf hingewiesen, dass die italienische Postverwaltung die Post nur mehr drei Mal in der Woche ausliefern möchte. In Südtirol wäre von dieser Regelung etwa die Hälfte der Personen betroffen. Dagegen hatte sich die Südtiroler Politik in Bozen und Rom zur Wehr gesetzt! Herbert Dorfmann hat sich in Brüssel für die tägliche Postzustellung auch in die entlegenen, ländlichen Gebiete stark gemacht.

„Mit der Abstimmung im EU-Parlament wurde nun klargestellt, dass die tägliche Postzustellung ein öffentlicher Dienst ist und wesentlich zur Lebensqualität beiträgt“, so der Sprecher der Plattform Land Leo Tiefenthaler. Auch Sprecher-Stellvertreter Andreas Schatzer, der zugleich Präsident des Südtiroler Gemeindenverbandes ist, ist über den Brüsseler Entscheid erfreut. „Eine gesicherte Postzustellung ist ein wichtiges Signal, wenn es um den Erhalt der Attraktivität des ländlichen Raumes geht. Denn neben sozialen Leistungen, ausreichend Arbeitsplätzen und Wohnmöglichkeiten sowie schnellem Internet kommt gerade der täglichen Postlieferung inklusive Zustellung der Tageszeitungen eine ganz zentrale Rolle zu.“

Die politisch Verantwortlichen in Südtirol sind nun aufgerufen, sich entsprechend des Beschlusses des EU-Parlaments in Rom einzusetzen, dass die tägliche Postzustellung in ganz Südtirol auch weiterhin gewährleistet bleibt bzw. wieder gewährleistet wird.

„Plattform Land“ begrüßt Verlegung von Landesämtern in die Peripherie

Um den ländlichen Raum als Wohn-, Arbeits- und Freizeitraum attraktiv zu halten, hat die „Plattform Land“ im Herbst ein Memorandum mit konkreten Maßnahmen verabschiedet. Eine Empfehlung war u. a. die Verlagerung von Arbeitsplätzen in die Peripherie. Die Landesregierung hat diesen Vorschlag, sehr zur Freude der „Plattform Land“, nun aufgenommen.

Nicht mehr alle Dienste in den großen Zentren zu konzentrieren, sondern verstärkt auch Teile der öffentlichen Verwaltung in die Talschaften zu verlegen, hatte die „Plattform Land“ in ihrem Memorandum angeregt und war damit bei den verantwortlichen Landes- und Gemeindepolitikern auf offene Ohren gestoßen. Nun gibt es erste Schritte, dies auch in der Praxis umzusetzen. „Wir wollen damit die Standortvorteile des ländlichen Raumes nutzen. Eine Dezentralisierung nimmt Druck von den städtischen Zentren und senkt die Kosten für den Landeshaushalt, da Mieten in der Peripherie niedriger sind. Gleichzeitig wird der ländliche Raum dauerhaft gestärkt, wenn qualifizierte Arbeitsplätze in zumutbarer Entfernung erhalten und geschaffen werden“, fasste der Sprecher der „Plattform Land“ Leo Tiefenthaler zusammen.

Dabei sollten möglichst leer stehende Gebäude für die zu verlagernden Dienste genutzt werden. „Ein weiteres Ziel der ‚Plattform Land‘ ist genau die intelligente Flächennutzung, die unter anderem ein Leerstandsmanagement vorsieht – d. h. die Erhebung von Leerständen und die Inwertsetzung dieser Immobilien“, erklärte Gemeindenverbandspräsident und Sprecher-Stellvertreter Andreas Schatzer. Erste positive Beispiele gebe es bereits. „Das Unternehmen „GKN Sinter Metals“ expandiert von Bruneck aus nach Sand in Taufers und nutzt dafür bestehende Strukturen, statt auf der grünen Wiese neu zu bauen“, berichtete Tiefenthaler. Gerade diese Verbindung von wirtschaftlichem Wachstum, Schaffung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum und Leerstandsmanagement ermögliche eine nachhaltige Stärkung des ländlichen Raums.

Die politisch Verantwortlichen ruft die „Plattform Land“ auf, den Worten Taten folgen zu lassen und so bald als möglich mit der Verlagerung von Teilen der öffentlichen Verwaltung in die Peripherie zu beginnen.

Radiobeitrag „Land & Leben“ zur Tagung Raum+

Im Rahmen der Sendung „Land & Leben“ wurde am 10. Juli 2016 zur Tagung Raum+ berichtet.

Presse zur Tagung Raum+ vom 11. Juni 2016

Innenentwicklung muss Chefsache sein

Bestehende Bauflächen intelligent nutzen, statt unnötig Grünflächen verbrauchen: Das ist laut „Plattform Land“ die Marschroute für Südtirols Raum- und Landschaftsplanung. Die heutige (11.6.) Tagung „Raum+“ in Marling zeigte aber auch: Dazu braucht es einen langen Atem.

Ein „Weiter wie bisher“ wäre einfach unverantwortlich. Denn auch in Südtirol wird der unverbaute Boden immer knapper. Diese Problematik wurde am heutigen Samstag bei der Tagung „Raum+“ der Plattform Land in der Kellerei Meran Burggräfler klar.

Wie Plattform-Sprecher Leo Tiefenthaler sagte, ist es daher wichtig, „bei der künftigen Planung und Entwicklung des Südtiroler Siedlungsgebietes viel mehr bestehende Bauflächen zu nutzen und zu verdichten, um möglichst viel wertvolle Grünfläche zu schonen – und dabei handelt es sich zum allergrößten Teil um Landwirtschaftsfläche.“

Dass er viele Anregungen mitnehme, bestätigte Landeshauptmann Arno Kompatscher, der gleichzeitig Mitgründer der Plattform Land ist: „Das Raumordnungsgesetz muss immer Schutz und Entwicklung unter einen Hut bringen. In der ersten Phase war es mehr Schutz, in den jüngsten Jahrzehnten stand immer mehr die Entwicklung im Vordergrund.“ Zum Teil hätten die Gemeinden sogar auf bestehende Bauprojekte reagiert, anstatt zuerst die Gemeindeplanung zu machen, in die sich dann anschließend die Projekte einfügen müssen. Vor allem aber sei das Gesetz immer unübersichtlicher geworden. Nun wolle man das Gesetz von Grund auf überarbeiten. Ein großer Teil der Reform: Statt getrennten Landschafts- und Bauleitplänen soll es künftig einen einzigen Gemeindeplan geben.

Die Innenentwicklung spiele dabei eine große Rolle: „Sanierung und Verdichtung im Ortskern soll mehr Freiheit erhalten, die Verbauung neuer Flächen im Grünen hingegen strengeren Regeln unterliegen“, erklärte Kompatscher, der aber auch klarstellte: „Entwicklung für die Wirtschaft muss weiterhin möglich sein und das werden wir nicht verhindern.“

Prof. Gerlind Weber von der Universität für Bodenkultur Wien erklärte, wie wertvoll Landwirtschaftsflächen im Alpenraum sind: „Weite Teile der Gesellschaft übersehen bereits die Hauptbedeutung: Die Sicherheit, dass sie die regionale Bevölkerung im Ernstfall ernähren kann.“ Dabei braucht es die Flächen noch für viele weitere Zwecke, z.B. als Speicher von Treibhausgasen und Wasser, als Teil der Energiewende, als Produktionsfläche für künftige Medizinalpflanzen oder natürliche Wertstoffe. Landwirtschaftsflächen müssen die Artenvielfalt erhalten und zum Naturschutz beitragen, sie sind Erholungsflächen und Grundlage für den Tourismus in den Alpen. „Eigentlich bräuchten wir immer mehr Landwirtschaftsflächen, statt immer weniger“, fasste Weber zusammen.

Andreas Schatzer – stellvertretender Sprecher der Plattform Land – bestätigte: „Der Boden steht im Spannungsfeld zwischen Ökonomie, Ökologie und Soziologie. Der Landwirtschaft kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.“ Und auch der für Landwirtschaft und Gemeinden zuständige Landesrat Arnold Schuler wies auf den gestiegenen Bedarf an Boden für Wohnung, Gewerbe und Infrastrukturen hin: „Dieser Flächenverbrauch führt zu Spannungen. Daher müssen wir intelligente Lösungen mit vorausschauender Planung finden.“ Solche Lösungen erwartet er sich vom neuen Gesetz für Raumordnung und Landschaft.

Die wohl wichtigste Anregung ist, dass intelligente Innenentwicklung kein Zufallsprodukt sein darf: Stattdessen muss sie als langfristige, geplante Strategie ein zentraler Teil der politischen und wirtschaftlichen Raum- und Landschaftsplanung sein muss. Darauf wiesen zum Beispiel Alexander Leitz und Peter Rainer aus Baden-Württemberg hin. Als ehemaliger Bürgermeister von Ertingen und amtierender Bürgermeister von Hohentengen kämpfen die beiden für lebendige Orte in strukturschwachem Gebiet. „Innenentwicklung muss in alle Köpfe rein“, sagte Rainer. Der Bürgermeister muss dafür verantwortlich sein. Es braucht aber auch einen Dorfmanager, der ihm dabei zur Seite steht und die Bürger begleitet. Vor allem aber müssen die Bürger mitgenommen werden: „Der Dialog mit ihnen ist wichtig. Sie müssen selbst hinter der Entwicklung stehen“, erklärte Leitz. Ähnlich sieht dies Wolfgang Borst aus Bayern, der dort die Gemeinde-Allianz Hofheimer Land initiiert hat: „An jedem Stammtisch und in jeder Gemeinde soll es Gesprächsthema sein, wie man leer stehende Gebäude wieder nutzen kann.“

Langfristig planen kann man dies alles nur, wenn man genau weiß, wie viel leer stehende Gebäude es überhaupt gibt und in Zukunft geben wird. Grundlage dafür ist eine eingehende „Dorfanalyse“. Sie erfasst die Ist-Situation aller Daten.

Den Dialog mit der Bevölkerung nimmt Frank Weber von der Landesabteilung Natur, Landschaft und Raumentwicklung von dieser Tagung mit. Weber ist einer der führenden Köpfe bei der Entwicklung des neuen Raumordnungsgesetzes. Er erklärt, dass Südtirol noch in einer komfortablen Situation ist und wesentlich weniger leer stehende Bausubstanz hat. Dennoch muss man auch hier zum einen den sich ändernden gesetzlichen Vorgaben aus Rom und zum anderen dem demographischen Wandel Rechnung tragen.

Gegenüber Rom gelte es vor allem, mit Hilfe der Autonomie das „schlanke, schnelle Entscheidungssystem in Südtirol“ zu erhalten. Beim demographischen Wandel müsse man sich bewusst sein, dass die urbanen Gebiete tendenziell wachsen, einige ländliche Gebiete dagegen Bewohner verlieren. Um dem gegenzusteuern, will das neue Gesetz neuen Freiraum geben, z.B. durch Mischzonen, in denen Wohnen gleichzeitig mit Dienstleistung oder Gewerbe möglich wird: Wichtig ist nur, dass alle weiteren Nutzungen mit Wohnen vereinbar sein müssen. Wenn nicht, müssen sie in Zonen stattfinden, die nicht für Wohnen zugelassen sind.

Insgesamt gehe es darum, zum einen die Landwirtschaft zu stärken. Denn wenn man z.B. immer neue Wohngebiete in direkter Nachbarschaft zur Landwirtschaft zulässt, ist ein Konflikt wegen Abdrift vorprogrammiert. Das habe die jüngere Vergangenheit deutlich gezeigt. Zum anderen soll das Gesetz die Siedlungen durch mehr Eigenverantwortung für die Gemeinden und Bauherren stärken. Dafür aber braucht es vorher klare Leitplanken.

Radiobeitrag RAI Südtirol zur Tagung „Raum+“ vom 11. Juni 2016:

Präsentationen der Tagung „Raum+“ am 11. Juni 2016 in Marling

Nachhaltiger Umgang mit Flächen durch neue Gewerbe- und Wohnmodelle

Mit der zur Verfügung stehenden Fläche und dem Boden muss verantwortungsvoll umgegangen werden – gerade in einem Land wie Südtirol, wo Flächen knapp sind und Boden wertvoll ist. Bei begrenzter besiedel- und bebaubarer Fläche sind neue Konzepte für Südtirol nötig. Wie kann ein solch verantwortungsvoller Umgang mit Flächen im Einklang mit Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt gelingen? Welche Potentiale bietet Flächenmanagement? Wie kann nachhaltige Entwicklung zukünftig erfolgen?

Dies wurde auf der Fachtagung „Raum+“ am 11. Juni 2016 in der Kellerei Meran in Marling mit 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutiert.

Programm_Tagung Raum+

Referate:

1_Weber_Wertvolle aber begrenzte Güter_Raum+_110616

2_Borst_Hofheimer Allianz_Raum+_110616

3_Praxisbeispiele Gemeinden_Leitz_Raum+_110616

4_Rainer_Praxisbeispiel Hohentengen_Raum+_110616

5_Hofer_Standortdatenbank_Raum+_110616

6_Abstract_Frank_Weber_Raum+_110616

 

Studienfahrt nach Graubünden 2016

Vertreter der Plattform Land haben im März 2016 eine Studienfahrt ins benachbarte Graubünden (Schweiz) durchgeführt. Dabei ging es vor allem um die Besichtigung von regionalen Entwicklungsprojekten im ländlichen Raum in Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Wirtschaftszweigen und den Gemeinden sowie unter Einbindung der lokalen Bevölkerung.

Den ländlichen Raum zu stärken, ist das Ziel der Plattform Land in Südtirol. Ähnlich wie in Südtirol arbeitet auch Graubünden intensiv an der Aufwertung des ländlichen Raumes. Dabei setzen die Verantwortlichen dort besonders auf die Stärkung regionaler Kreisläufe, Innovationen, die Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort und eine höhere Wertschöpfung.