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Von der Theorie zur Praxis: Lehrfahrt zum nachhaltigen Bauen und Sanieren

Historische Bauernhäuser, innovative Dämmstoffen: Wie Nachhaltigkeit im Bauwesen gelebt wird

Am 5. September 2024 unternahm die Plattform Land eine Lehrfahrt nach Belluno und Osttirol im Rahmen des EU-Projekts SUSMAT, um die Möglichkeiten und Vorteile nachhaltigen Bauens und Sanierens hautnah zu erleben. Die Exkursion führte Fachleute aus Architektur, Handwerk und Bauindustrie zu beeindruckenden Praxisbeispielen, die zeigen, dass ökologische Bauweisen nicht nur umweltfreundlich, sondern auch ästhetisch ansprechend und wirtschaftlich attraktiv sein können.

Die Lehrfahrt begann in San Vito di Cadore, Belluno, wo EURAC Research die Ergebnisse ihrer umfassenden Recherche zu nachhaltigen Baumaterialien präsentierte. Bald wird eine Datenbank mit 185 ökologischen Materialien, einschließlich detaillierter Factsheets und einer Liste der Hersteller, online zugänglich sein. Dieses neue Tool wird Planern, Architekten und Handwerkern wertvolle Unterstützung bei der Auswahl umweltfreundlicher Baustoffe bieten.

Ein besonderer Höhepunkt der Exkursion war der Besuch bei Villgrater Natur in Innervillgraten. Das traditionsreiche Unternehmen verarbeitet rund ein Drittel der österreichischen Schafwolle zu hochwertigen Produkten – von Wollprodukten über Schlafsysteme bis hin zu innovativen Dämmstoffen. Während des Besuchs führte die Freiwillige Feuerwehr Innervillgraten einen Brandschutztest durch, bei dem verschiedene Dämmmaterialien auf ihre Feuerbeständigkeit geprüft wurden. Die Ergebnisse waren beeindruckend: Während synthetische Materialien wie EPS und XPS innerhalb weniger Sekunden schmolzen und giftigen Rauch entwickelten, blieben Gipskarton- und Holzfaserplatten stabil. Besonders überraschend war, dass die Woll-Dämmung gar nicht entflammte – ein klarer Beweis für die Sicherheit und Nachhaltigkeit natürlicher Baustoffe.

Anschließend führte die Lehrfahrt nach Anras, wo die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein saniertes Bauernhaus besichtigen konnten, das unter Denkmalschutz steht und heute als Gastbetrieb genutzt wird. Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie historische Gebäude durch behutsame Sanierung eine neue, moderne Nutzung finden können. Darüber hinaus wurde ein weiteres denkmalgeschütztes Messnerhaus besichtigt, das im Rahmen von SUSMAT saniert werden soll. Hierbei waren die Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Planung eingebunden und haben sich für die Einrichtung eines Cafés mit Hofladen ausgesprochen.

Die Exkursion bot nicht nur wertvolle Einblicke in die Praxis des nachhaltigen Bauens, sondern auch reichlich Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung. Ein Gespräch während der Fahrt zeigte, dass auch die Teilnehmenden selbst spannende Erfahrungen im nachhaltigen Bauen mitbrachten. So erzählte Stefan Neulichedl, der Busfahrer, stolz von seinem Leben in einem Niedrigenergiehaus in Völser Aicha. „Das war eines der ersten Niedrigenergiehäuser in Südtirol. Ich hatte schon immer eine Vorliebe für naturnahes Bauen, auch wenn es damals viele Vorbehalte gab – von Holzwurm bis Insektenbefall. Aber ich würde diese Entscheidung jederzeit wieder treffen,“ berichtete er der Gruppe.

Diese Lehrfahrt hat gezeigt, dass nachhaltiges Bauen nicht nur ein Trend, sondern eine zukunftsweisende Praxis ist, die ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Effizienz und ästhetischem Anspruch vereint. Das von INTERREG Italien-Österreich kofinanzierte Projekt SUSMAT hat sich das Ziel gesetzt, nachhaltiges Bauen und Sanieren zu fördern. Dabei liegt der Fokus auf der Verwendung ökologischer Materialien und der Reduzierung des Ressourcenverbrauchs über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Federführend geleitet wird das Projekt von EURAC Research in Südtirol, unterstützt von Partnern wie der Plattform Land, dem Innovationscluster VIVIUS, Confartigianato Belluno und dem Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen (SIR).

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